Schlangengrube Zigaretten-Strategen (Teil 3)
Einige mögen sich noch an den Beitrag "WAMS-Breitseite gegen Zigaretten-Strategen" und die Machenschaften des Philip Morris-Konzern erinnern. Er bezog sich auf Hans Bewersdorffs Rauchenzeichen "Zigarren unschuldig unter Anklage" und zitierte u.a. folgende Passage:
"(...)Eine besonders unrühmliche Rolle spielt dabei seit Langem der Marlboro-Konzern Philip Morris. Deutschland-Chef Jacek Olczak versucht sich mit harten Forderungen gegen die eigene Branche als heimlicher Profiteur in Position zu bringen. Entsprechend dem listigen Philip-Morris-Positionspapier, seit 2004 von langer Hand vorbereitet, fordert er unter anderem eine gleich hohe Besteuerung aller Tabakprodukte."
Nun lädt das Süddeutsche Zeitung Magazin zum dritten Akt. Im Beitrag "Die Zigarette danach" schüttet ein Insider - über die Gründe mag man spekulieren ;-) - Öl ins Feuer. Einige Auszüge, welche auch damalige Fragen in den Kommentaren beantworten:
"(...)Ein Werbe- oder Rauchverbot komme großen Tabakkonzernen teilweise sogar entgegen. »Sie arbeiten unter Umständen gezielt auf Werbeverbote hin. Sie spielen den gelehrigen Schüler der Gesundheitspolitik, auch deutsche Politiker glauben tatsächlich: Die werden ja anständig. Dabei will der betreffende Konzern nur seine Marktanteile zementieren: Ich bin Marktführer, ohne Werbung gibt es wenig Verschiebung im Markt – also bleibe ich Marktführer. So einfach ist das«, sagt der Mann."
Oder etwas anders ausgedrückt: Die Tabakgegner schaffen Shareholder-Value für die Tabakkonzerne."(...)Ein Blick auf die Zahlen offenbart, was auf totale Rauchverbote in Irland, Italien und anderen Ländern für die Zigarettenindustrie folgte: Der Aktienkurs von British American Tobacco, Hauptmarke: Lucky Strike, ist in den letzten zwölf Monaten über 15 Prozent gestiegen, die Aktie von Japan Tobacco, unter anderem Camel, etwa 25 Prozent. Imperial Tobacco, mit West im Portfolio, legte mehr als 30 Prozent zu."











Kommentare
Hier werden sehr wichtige Informationen in den richtigen Zusammenhang gestellt. Wenn die "freie Presse" nur noch Regierungmitteilungen weiterleitet und sich kaum noch ein Journalist traut die Dinge beim Namen zu nennen, ist dieser Blog der Beweis, dass trotzdem Öffentlichkeit geschaffen werden kann.
Das die Präsentation auch noch auf dem Niveau stattfindet, umso besser für uns User.
Mir ist der Zwanziger nun gefallen. Grosses Dank.
Grüsse
Der erlauchte Kreis des Marlboro-Konzerns, Philip Morris hat schon 40% des Marktes unter sich. Die Zielrichtung ist global angelegt und in jedem Land steht der Konzern als Garant für einen sehr großen Batzen Steuergelder. Wenn jetzt noch den jeweiligen Finanzministern erläutert wird, wie man mit Hilfe von Philip Morris den Schmuggel eliminieren kann (ist schon alles in der Mache und wurde auch schon mit reichlich Flüssigem unterlegt), dass die Regierungen am besten einem Kippenkonzern die Überwachung übertragen(bitte, nur das Positionpapier genau und richtig lesen), wird deutlich worum es letztendlich geht: einzig und allein um die Sicherheit der Steuergelder und den Reibach von dem genannten Konzern. Deshalb hat Altria auch den Lebenmittelbereich abgestoßen. Die Herren sind sich absolut sicher den profitabelsten Weg aller Zeiten eingeschlagen zu haben.
Denn, die wissen auch, auf solche Ideen kommt die Öffentlichkeit erst dann, wenn der Braten gegessen ist.
Außerdem, Gesundheitschutz zu verkaufen ist gesellschaftlich geachtet, deswegen wird auch in dem Positionpapier immer auf die Gefährlichkeit
hingewiesen. Die ständige Wiederholung der Losung will einfach suggerieren, dass der Konzern als eine Art private Gesundheitbehörde auftritt.
Zum Schluß kommt hinzu, dass wirklich 95% der Journalisten das Thema gar nicht mehr anrührt. Es wird alles tatsächlich nur noch durchgereicht.
So, und jetzt ist auch klar warum die DTZ keine Möglichkeit hat, oder hatte, darüber zu berichten. Praktisch schweigt die ganze Branche seit 2004. Allgemeine Duldungsstarre (habe ich hier gelesen, sehr treffend) ist nicht die adäquate Form der Handlungsweise in solchen Zeiten.
Da passt der Abschnitt über das Appalto System (aus Tabakkonsum, Wikipedia) sehr gut:
Wirtschaftswoche Nummer 18, Titelblatt
"Tabaksteuer... Wie der Staat die Geschäfte der Mafia fördert...
und auf Seite 22/23:
MAFIA-WARE........Die prohibitiv hohen Tabasteuern fördern das organisierte Verbrechen und schaden dem Fiskus. Ein Lehrstück über politische Fehlsteuerung."
Damit es klar ausgesprochen wird, um was es eigentlich geht.