Willkommen in der Unterschicht
Der Stern schiesst heute aus vollen Rohren gegen den Tabak und seine Konsumenten:
Raucher machen sich selbst zu sozialen Außenseiter, und wenn man bedenkt, dass es um gut ein Drittel aller erwachsenen Deutschen geht, dann ist das eine verdammt große Randgruppe. Aber sie soll kleiner werden, sie wird kleiner werden. Auch deshalb dieses Gesetz. In einer gesundheitsorientierten Gesellschaft wirkt das Rauchen anachronistisch; es ist negativ besetzt, steht für Gestank aus allen Poren, Belästigung, Schwäche.
Und es kommt noch besser:
Rauchen und beruflicher Erfolg schließen einander bereits jetzt weitgehend aus. Die Zigarette wird noch mehr als ohnehin schon zur Droge der Modernisierungsverlierer, ein Phänomen der Unterschicht. Es ist wohl kein Zufall, dass es demnächst fast überall verboten ist. Außer im Knast.
Ist es nicht fast ein Glück, hier sozialer Aussenseiter zu sein, und nicht mit Zeitgenossen wie diesem Stern-Schreiberling verkehren zu müssen?






Kommentare
Das passt Riccis Spruch wie die bekannte Faust aufs Auge:
I use my cigar smoke as an IDIOT repellant!
M
F
G
Sopur
Schumi seinerseits hat Stil, und er weiss was gut ist, weshalb er dem Genuss exklusiver Zigarren frönt >> http://www.abendblatt.de/daten/2003/09/16/208609.html.
Schumi ein Mitglied der Unterklasse...? Hat da Oberklasse-Aspirant Götting etwa ein kleines Zielkonfliktchen...?
Den "Unterschichten" ihre vermeintlichen "Laster" vorzuwerfen ist weder neu noch originell. Die klassische Doppelmoral des Spießers stirbt wohl leider nie aus. Wobei der Hinweis auf die Rolle des Tabaks im Strafvollzug keineswegs ein Beleg dafür ist, dass Rauchen kriminell macht. In der frühen Nachkriegszeit (1945-1947) waren große Teile der deutschen Bevölkerung in Schwarzmarktaktivitäten verwickelt. Das war die Zeit der "Zigarettenwährung". Damals haben auch fanatische Nichtraucher "Amizigaretten" gegen Lebensmittel getauscht.
Der Zusammenhang zwischen Prostitution und Rauchen ist unter Statistikern ein sehr beliebtes Beispiel für eine sogenannte "Scheinkorrelation", einen Trugschluss. Obwohl 90% der Prostituierten rauchen, führt es niemanden mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit dazu, hauptberuflich käuflichen Sex anzubieten, wenn er anfängt zu rauchen.
Glücklicherweise bestimmt der "Stern" nicht die soziale Stellung der Menschen. Der "Stern" will auch nicht die Menschen vor dem sozialen Abstieg durch Tabakgenuss warnen. Denn der "Stern" ist mitnichten lauter und edel, sondern wie alle Zeitschriften abhängig von Anzeigen. Jahrzehntelang hat er höchst bereitwillig Anzeigen für Tabakwaren angenommen. Er hat sich sogar gegenüber den Werbeagenturen damit gebrüstet, wie viele seiner Leser kaufkräftige, gebildete Raucher sind, die keineswegs der "Unterschicht" angehören. Lediglich das Tabakwerbeverbot hat ihn zum Umdenken gebracht.
Die gesellschaftliche Wertschätzung von Genussmitteln ist genauso dem Wandel unterworfen wie alles andere auch. Ob man sich von Stigmatisierungen und Einschränkungen beeinflussen lässt, bleibt jedem selbst überlassen. Wirkliche Klasse haben meines Erachtens aber jene Menschen, die sich nicht darum scheren, was der "mainstream" ist. Ich persönlich kann gut damit leben, wenn mich jemand zur "Unterschicht" zählt, weil ich rauche. Was Menschen, die andere nach solchen Schemata einschätzen, be- und verurteilen oder diskriminieren, über mich denken ist mir völlig gleichgültig.
Darauf gönne ich mir noch eine Partagás!
Es ist erschreckend mit welcher Qualität von Boulevardjournalismus ein durchaus polemisches Thema in dem Artikel von Herrn Markus Götting abgehandelt wird. Ich bin zwar auch selbst freier Journalist, aber das muss man fürwahr nicht sein um das Mittel der Provokation bei heiklen Themen zu verstehen. Hier entgleist nicht nur der Autor, sondern gleich die Chefredaktion mit, da verantwortlich für die Freigabe eines höchst diskriminierenden Beitrags. Zudem noch schlecht recherchiert im Hinblick auf die Kulturgeschichte des Tabaks respektive des Rauchens. Als reiner Genussraucher möchte ich mit einem Auszug eines Artikel, den ich mal vor ein paar Jahren geschrieben habe, einen Appell für mehr Sachverstand, Umsicht und Differenzierung an die Redaktion des Sterns richten:
„Die Geschichte und Herkunft des Tabaks ist genauso vielschichtig wie die Menschen und deren Schicksale, die dazu beitrugen den Tabak zudem zu machen was er heute ist. Nämlich ein erdiges, ehrliches, kulturgeschichtliches, mythisches, Völkerverbindendes, heilsames Produkt. Letzteres wird natürlich nicht nur die EU-Kommissare das Blut in die persönlichen zerebralen Hemisphären steigen lassen, aber sprechen wir hier nicht auch von Genussmittel, welche man in Maßen genießt? Einen Moment der Zufriedenheit, der Gleichheit und der Besonnenheit? Nicht umsonst benutzten vor allem die nordamerikanischen Indianerstämme die Friedenspfeife, das Calumet, als rituelles Mittel Feindseligkeiten beim gemeinsamen Rauchen zu überwinden und Lösungswege zu finden. Das hat natürlich nicht immer funktioniert. Genauso wenig wie die unzähligen Versuche anderer Gesellschaftsstrukturen freiheitliche Ideologien und Religionen mithilfe nicht ganz netter Maßnahmen der Menschheit näher zubringen. Kulturgeschichtlich müsste man dann bei all den bereits existierenden und noch kommenden Verboten verwandte Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao, Wein (Fragen sie mal ihren freundlichen Winzer von nebenan!), aber auch technische Errungenschaften wie Automobile oder ganz banal das Telefon als enorm gesundheitsschädlich einordnen. Das Auto als Waffe im Straßenverkehr oder die Verkümmerung direkter persönlicher Kommunikation durch das Mobiltelefon und das WorldWideWeb und deren weltwirtschaftlichen Einflüsse...........“
Mitunter wurden drakonische Maßnahmen ergriffen, hat sich da jemand dem Tabaksaufen hingegeben. Von Verbannung, Auspeitschen bis zur Todesstrafe und deren Ausführung mittels Pfählung oder auch mal eben den Kopf abschlagen ist hier die Rede. Im Persien der Vergangenheit war das Ausgießen des Halses mit flüssigem Blei eine gebräuchliche und legitime Angelegenheit. Nun soweit wird es heute doch sicherlich nicht mehr kommen, denn schon Königin Elisabeth die I. von England (1533-1603) war eine der Ersten, welche die Einfuhr von Tabak mit zwei Pennies je 1000 Pfund belegte. Von da an sollte viel Geld in die Staatskassen aller Welt fließen. Und das möchten die Staaten in ihrer hypokriten Agitation auch heute noch.
Mit den besten Grüßen aus der Welt des Genusses
Crossover your senses
Jens Tausch, Cigar & Spirits Consultant
Gute Aktion!
Das war der erste Kommentar zum Ganzen, ich finde sehr lesenswert:
Vitriol (16.8.2007, 14:39 Uhr)
Wessen Brot ich fress....
ich habe mir lange überlegt, ob ich etwas dazu schreiben soll, zumal ja nicht jeden Quatsch kommentieren muss.
Ein derartiger Artikel verwundert mich kaum, letztlich kann man dass nur als Effekthascherei eines darbenden Blatts im Pressedschungel ansehen. Was waren das noch für Zeiten, als man einfach ein paar Titten abbilden musste um die Verkaufszahlen zu steigern. Heute muss man als enfant terribele schon die Rampensau mimen um Aufmerksamkeit zu erregen. Wahrscheinlich hat der Stern die Spiegelausgabe "Ende der Toleranz" noch nicht verkraftet und versucht noch eins drauf zu setzen. Letztlich beinahe lustig, dass der Stern in der letzten Ausgabe mit Haderer Antirauchergesetze ganz treffen persifliert hat, um diese Woche noch Öl ins Feuer zu gießen.
Nun denn mehr als Quotenhurerei dürfte in keinem der beiden Fälle eine Rolle spielen.
Eigentlich müßten wir es längst wissen, zu was eine derart gehaltloser, populistischer Artikel führt. Sollten wir uns wirklich wundern wenn der kleine Vollidiot mit einem Brandsatz wieder an der Ecke steht ?
Aber der Stern kann ja dann immer noch Betroffenheit heuchelt und eine Lichterkette gegen Faschismus - Gesundheitsfaschismus um genau zu sein- zu organisieren.
Letztlich entsprechen die Ausführungen Göttings eher den eigenen Wunschvorstellungen, denn seriösem Journalismus.
Oder war da doch noch eine Kleine Gegenleistung beim Journalistenpreis von Bayer Healthcare fällig. Tipps genug zur Raucherentwöhnung waren ja dabei, fehlte eigentlich nur die Nennung was es von Bayer so gibt :)
Wie dem auch sein, zu Zeiten von tabakwerbung im Stern, wäre sowas nicht veröffentlich worden...wahrscheinlich sollte ich in der Ausgabe mal die Werbungen für Pharma und Lifestyleprodukte zählen.
Wie der Volksmund schon so treffend sagt: Wessen Brot ich fress, dessen Lied ich sing.
Gut das der Nichtraucher vom Rand der Gesellschaft endlich weider in die Mitte darf.
1. Aus welchen wissenschaftlichen Quellen beziehen sie ihre statistischen Entwürfe?
2. Bis dato wurden in diesem Blog noch keine Nichtraucher diffamiert, diskreditiert und diskriminiert. Warum tun sie es mit den Rauchern?
3. In diesem speziellen Blog wird der Leidenschaft des Genussrauchen gefrönt. Warum sind sie hier?
Holy smoke, Jens Tausch, Cigar & Spirits Consultant
Hubert Mangold
2007-07-21 09:35:49
Auszug des Kommentars:
Bei "Haupt"- und "Nebenstrom" der allgemeinen Aktionen "Raucher sind der NEUE Abschaum" hilft dann noch ein Multinationaler Konzern wie Philip Morris aus und die romantische Sichtweise "Auf, auf wir schaffen eine rauchfreie Welt" findet bei denen, die sonst nichts zu tun haben, freudligen Anklang und, wird mit dem uns Deutschen belehrenden Oberlehrerton gekrönt.
Die WHO und Philip Morris holt wirklich das Beste aus uns Deutschen heraus! Früher die ganze Welt, im 21.Jahrhundert nehmen sich die Deutschen die Gesundheit vor.
Beim Anti-Aging sind wir auch schon ganz weit vorn, erst wird das Alter abgeschafft und dann der Tod. Weil nach dem Tod kein Geschäft mit der Gesundheit funktioniert.
Darum geht es nämlich in der realen Welt:
Satte Gewinne!
hallo,hallo...stefan, extra für dich, die ganzen abnormitäten von den raucher. da gibt es einiges für alle stefans zu tun. einer schafft da kaum was...
Das soziologische Raucher-Profil,
oder auch: TÄTER-PROFIL
(Auszug: Rauchen Sie? Verteidigung einer Leidenschaft von Imre von der Heydt, Dumont, ISBN 10:3-8321-7931-3)
Bereits der legendäre "Terry-Report" hatte festgestellt, daß Raucher nicht nur bei den allgemein verdächtigen Erkrankungen wie Lungenkrebs eine höhere Sterberate aufweisen. Nein, die Raucher hatten erstaunlicherweise auch in fast allen anderen Kategorien - inklusive Selbstmord - die höchsten Todesraten aufzuweisen.
Andere Studien ergeben, daß Geschiedene(mit 44%) weitaus häufiger rauchen als Verheiratete(26%). Auch die Angaben zu den Arbeitslosen werden bestätigt:
Mit 47& rauchen sie weitaus häufiger als Erwerbstätige.
In unzähligen weiteren Studien wird belegt, daß Raucher häufig auch mehr trinken, sich häufig schlechter ernähren, fettreicher und vitaminarmer essen, nicht richtig frühstücken, weniger Sport treiben, weniger schlafen und viele andere Verhaltensweisen an den Tag legen, die ebenfalls im Verdacht stehen,
das Risiko für bestimmte Erkrankungen zu erhöhen.
Noch völlig unberücksichtigt sind hier die psychischen bzw.psychologischen Komponenten. So hat man festgestellt, daß Raucher generell eine höhere Risikoneigung haben. Raucher sind extrovertierter, sprunghafter,risikofreudiger. Raucher haben auch häufiger Sex. Raucher schnallen sich sogar beim Autofahren tendenziell weniger an (ganz böse,böse)
Man möchte fragen:
Raucher - sind das alles VERÜCKTE denen ohnehin nicht zu helfen ist ?
Reden wir hier tatsächlich noch über die Gefahren des Rauchens ?
Oder geht es nicht vielmehr generell um die gesundheitlichen Risiken in den Lebensgewohnheiten bestimmter sozialer Gruppen oder Charaktertypen ?
Haben wir womöglich kein Tabakproblem, sondern in Wahrheit ein generell menschliches Problem ?
Denn mit etwas Ruhe und Abstand könnten wir auch zu dem Schluss kommen, daß Raucher Menschen sind wie jeder andere auch- mit Stärken, Schwächen, Träumen, Ängsten. Zu ihnen gehören Akademiker und Arbeiter, Frauen wie Männer, Beamte wie Lehrer,Künstler, Träumer und Exzentriker; und nicht zu vergessen die unüberschaubare Zahl von im Lande verstreuten Alltagsneurotikern und kleinbürgerlichen Psychopathen.
Kurz: ganz normale Leute.
Bei jedem von ihnen sprechen wir über einen einzigartigen Entwurf eines menschlichen Lebens - mit einer Zeitspektrum, die vielleicht 70 Jahre umfaßt, vielleicht nur 50, die vielleicht im nächsten Augenblick vorüber ist.
Und jeder von ihnen lebt etwas anders:
Der eine raucht viel, trinkt gerne Bier, lebt in der Stadt, hat einen stressigen Beruf und Übergewicht. Er ist Feuerwehrmann oder Gesamtschullehrer. Der andere raucht auch, treibt aber viel Sport und achtet auf seine Ernährung. Er ist Schriftsteller oder Krankenpfleger.
Welche gesundheitspolitische Richterinstanz will sich hier anmaßen, ein pauschales Urteil über die eine oder andere Lebensweise zu fällen ?
Im Zweifel handelt sich es um Menschen, die nicht auf die Welt gekommen sind, um als Gesundheitswunder statistische Rekorde zu brechen, sondern um zu leben, so gut sie können und so gut es geht. Mit all den Sehnsüchten und Ängsten, Traurigkeiten und Träumen, die zum menschlichen Dasein dazugehören.
Gilt es nicht, dies zu respektieren, diese Freiheit zu verteidigen ?
(Im Buch zu finden auf Seite 98-100)
Giacomo Savonarola!
Damals gegen Adel und Klerus, heute verbessern wir die Unterschicht bzw. die unbelehrbaren Mitbürger.
Für wen der Mönch die Blaupause war?
Willst Du jetzt die Absolution zum Raucher -Bashing einholen?
Uns klar machen, dass Du zur bessern Hälfte der Mensachheit gehörst?
Neulich war ich in Italien, weitab von einer Grossstadt, stell dir vor Stefan, in der Kneipe in der wir einen Espresso tranken waren noch Aschenbecher auf den Tischen und geraucht wurde auch noch. Ein Carabinieri hockte neben uns und lies seine Kippe im Mund. In Spanien soll es auf dem Land ähnlich zugehen. Also, es scheint klar zu sein, das die missionarische Hystrie bei uns Deutschen auf fruchtbaren Boden gefallen ist, sonst gäbe es nicht deine besorgte Aufgeregtheit.
Hoffentlich beschäftigst Du dich noch mit lebenserheiternden Angelegenheiten, anstelle der belehrenden Postings auf einem Cigarrenblog.
Wir sind solche Vorstellungen gewohnt und wenn Du diese Bühne magst, bitte.
Holy Smoke!
Helge
"Man unterwirft sich dem Großen, um über Kleine Herr zu sein:
Die Lust überredet uns zur Unterwerfung."
Immer schön lustig weiter, denn, wir werden euch alle an euren Früchten erkennen.