Rauchzeichen für den Cigar Blog
Welt am Sonntag-Kolumnist Hans Bewersdorff spührt einen frischen Wind durch die Zigarrenwelt ziehen. Seine neuen «Rauchzeichen» sind Zigarren-Projekten im Internet gewidmet.
Frischer Wind für die Zigarre
Sie werden belächelt, kritisiert, verhöhnt, aber am Ende sind sie meistens die Ersten: Pioniere. In den 90er-Jahren arbeitete ich beim Burda-Verlag in München. Schon damals sprach der Verleger Hubert Burda von Multimedia und Datenautobahn. Viele haben ihn belächelt, doch er sollte recht behalten.
Heute werden selbst Bereiche, die scheinbar immun gegen jegliche Veränderungen schienen, durch das Netz aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen – so auch die manchmal etwas behäbige Zigarren-Branche. Von medialer Langeweile rund um den Puro kann keine Rede mehr sein. Das alte Spiel von Gefälligkeitsjournalismus gegen Anzeigen ist inzwischen nur noch peinlich.
Private Aficionados haben längst die Initiative übernommen, Zigarren als jahrhundertealtes Kulturgut von anderen Tabakwaren abzugrenzen und die Industrie mit ihren verstaubten Rezepten unter Feuer zu nehmen.
Das Zaubermittel gegen langweilige Smoker-Treffen und aufgeblähte PR-Vorturner heißt bloggen. Fast lautlos ging es 2003 los, nur wenige nahmen anfangs Notiz. Das änderte sich schon bald. Seit 2005 boomen die Blogs. Das Prinzip ist einfach: User tauschen sich direkt miteinander aus, über Links und E-Mails werden Inhalte in Sekunden verbreitet. Das Geschriebene bleibt stehen, kann immer wieder abgerufen, kommentiert und mit neuen Informationen angereichert werden.
Ganz wichtig für die Bedeutung der Blogs insgesamt: Auch wenn der Tenor sich verändert, mit jedem Posting wird der Thread verstärkt, der Ur-Beitrag damit wichtiger. Bei der Zigarre gibt es seit Längerem einen klassischen Blog, der oft sehr spannend zu lesen ist. Er heißt The Cigar Blog, bildet ein breites Spektrum ab und zeigt die Vielseitigkeit des Themas, das eben nicht beim Deckblatt aufhört. „Die Meinung von Usern über ein Produkt hat viel größeres Gewicht als die Angaben und Werbebotschaften der Hersteller und Händler“, sagt der Initiator von The Cigar Blog Hans Fischer. „Die Branche ist dank der ausgeprägten sozialen und kontemplativen Aspekte der Zigarre ja prädestiniert für Interaktion mit der Kundschaft. Sie muss auf den Zug aufspringen.“ Private Webseitenbetreiber haben diese Entwicklung aufgenommen, etliche andere Foren sind im Internet, allerdings spielen sie im Gegensatz zu einem reinen Blog nur einen kleinen Teil des Repertoires und nur mit Zugangsverpflichtung.
Zusammen mit dem versierten Zigarren-Dompteur Klaus „Ricci“ Riegelhuth aus Bad Vilbel und dem Schweizer Onlinefachhändler Manuel Fröhlich (betreibt seit April 2007 den Cigar Blog) hat Hans Fischer in privater Regie jetzt das Cigar Wiki gestartet. Es soll ein Onlinenachschlagewerk rund um die Zigarre werden. Unterstützt wird das Cigar Wiki von Heinrich Villiger und seinen Gesellschaften. Die Villiger-Gruppe hat versprochen, ihre Schatzkiste an archivierten Bildern und Texten für eine unabhängige Plattform zu öffnen, deren Zielpublikum – eine virtuelle Gemeinschaft von hoffentlich nicht nur habanophilen Internetusern – gleichzeitig auch für die Weiterentwicklung der Seite verantwortlich ist. Denn laut Fischer können alle Interessierten einen Beitrag leisten, Informationen liefern oder eben auch selber am Wiki mitschreiben.
Ohne Zweifel gibt es jede Menge Unsinn zur Zigarre im Netz. Oft sind Seiten mit guten Absichten entstanden, jedoch schnell in die Belanglosigkeit abgeglitten. Wichtiger ist, dass manche Aficionados langsam das Feld von hinten aufzurollen beginnen. Die Bevormundung durch Hochglanz-Postillen im Verbund mit großen Herstellern und Händlern geht zu Ende. Schließlich darf es nur einen Sieger geben – die Zigarre.
Original-Artikel auf der WELT-Website: «Frischer Wind für die Zigarre»











Kommentare
Isch hadt de ganze Tach die Stiffel ah, weschem Sigarn-Dommtör, nett dass isch noch vor die Löwe falle tue du!
Jawohl, genauso geht es jetzt weiter, eben, mit frischen Wind ünterlegt durch die Rauchzeichen von Hans Bewersdorff.
Und noch einmal:Hasta la victoria siempre!!!
Saludos a todos
Carl Becher
06.11.2007 - 11.11 Uhr
Man kommt sich so vor, wie im Film "Der Zauberer von Oz". Alle sehen das wunderschöne Land und die tollen Möglichkeiten, aber sehnen sich zurück nach dem "Früher", als alles sooo viel besser und einfacher war. Man schlägt die Hacken dreimal zusammen, wünscht sich "there is no place like home" und hofft, dass man in diesem Früher recht bald wieder ankommt.
Geht aber nicht - "wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"!!!
Weiter so rufe ich allen zu, die diesen Trend dazu nutzen, zu kommunizieren und vor allem dazu nutzen, die Zigarre am Leben zu halten.
Euer Carl
Jens Tausch
06.11.2007 - 12.56 Uhr
Einst war ich selbst Zweifler an dem Einfluss von Blogs in diesem dezidierten Segment, jedoch wurde ich eines Besseren belehrt. Dies ist nur eine der zukunftsträchtigen Plattformen im medialen Zeitalter. Ob man will oder nicht, man kann sich diesem Instrumentarium nicht mehr entziehen. Es ist in diesem Artikel bereits alles gesagt worden. Jedoch generalistisch Lobbyismus den entsprechenden Printmedien vorzuwerfen, halte ich für ungerechtfertigt und nicht ausreichend differenziert. Auch eine Welt am Sonntag lebt von Anzeigenkunden, ansonsten gäbe es keine Gehälter und Honorare für die Mitarbeiter. Ansonsten wieder mal Hut ab! Herr Bewersdorff, für ihren vorbildlichen und unermüdlichen Einsatz im Kampf gegen Kleingeisterei. Es weht ein frischer Wind, der sich schnell zum Orkan entwickeln kann. Ich bin dabei. Beste Grüße aus der Welt des Genusses, Jens Tausch, Cigar & Spirits Consultant.
Andreas Schmidt
06.11.2007 - 13.32 Uhr
Hallo zusammen und vielen Dank für diese wirklich interessanten Kommentare. Ich glaube, dass sich mittlerweile keiner mehr (naja - viele wohl) ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen können.
Das Internet ist eine der haupt Kommunikationsplatformen und wird seine Stellung sicherlich ausbauen. Blogs und Enzyklopädien sind Treffpunkte und Informationsquellen - auch (und bei der Zigarre eben genau diese) hier genannten.
Dass einige damit ein Problem haben oder dies nicht verstehen, liegt an Ihrer geistigen Grundhaltung (die diesen Menschen sogar anzusehen ist).
Am Wochenende habe ich einige Vertreter von Arnold Andre auf einem Messestand beobachten dürfen. Bei dieser Beobachtung wurde mir klar, warum die Branche sich um dieses Medium nicht kümmert. Die ausgestrahlte Arroganz, welche mir entgegen schlug, kann eigentlich nur noch durch das ehemalige Gehabe in den Golfclubs der Reichen und Schönen getoppt werden (welches heute kaum noch existiert).
Wir müssen uns heute sehr anstrengen, um unsere Produkte auf einem globalen und informierten Markt zu verkaufen. Hier müssen wir alle möglichen Mittel einsetzen. Das Netz ist ein Mittel und es wird immer wichtiger (wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum dies ausgezeichnete Zeitung Ihre Artikel im Netz veröffentlicht und zum Kommentar frei gibt!!!).
Immer weiter so, Herr Bewersdorff
"Süchtig nach Veränderung"
Amazon-Gründer Jeff Bezos über die Hysterie ums Web 2.0, seinen Online-Marktplatz für "mechanische Türken" und den Traum von neuen Geschäftsfeldern im Weltall
ZUR PERSON
Bezos, 43, hat Amazon.com 1995 in Seattle zunächst als reinen Internet- Buchhandel eröffnet. Heute ist das Unternehmen der weltgrößte Online- Versender für Waren aller Art. Amazon beschäftigt 15.800 Mitarbeiter und bedient mehr als 72 Millionen Kunden. In diesem Jahr dürfte der Umsatz um ein Drittel auf über 14 Milliarden Dollar wachsen, seit 2002 macht Amazon Gewinn.
Bezos: Da sind bestimmt coole Innovationen darunter, schließlich unterstützen sie die zentrale Funktion des Internet, die Kommunikation zwischen Menschen zu vereinfachen. Deshalb sind so viele Nutzer auch so fasziniert davon. Ob man damit allerdings Geld machen kann, ist eine ganz andere Frage. Wir bei Amazon nutzen den Community-Gedanken ja schon lange. Die Leute schreiben seit Jahren Rezensionen über Bücher und empfehlen Produkte. Das ist ein wichtiger Zusatznutzen für unsere Kunden, aber kein eigenständiges Geschäft für uns. Wir müssen damit kein Geld verdienen. Dennoch beobachten wir die Entwicklung sehr genau - allein schon, um uns Anregungen für die Weiterentwicklung zu holen.
Der Bezos wäre als Workholic geoutet worden, nachdem er von 95 bis 2001 kein Gewinn erzielt hatte. Logo odär, der gute
Keese-Chefredakteur von der WamS würde dann, wie schon angedacht von ihm in einem Leitartikel, mahnend darauf hinweisen, das wir-- die sozial-fürsorgende Gesellschaft-- eine Verantwortung haben solche Menschen vor sich selbst zu schützen.
Damit wir dieses Jahr auch den Therapieplan kennen hat der laufende stern den tendenziösen Titel über allgemeine Suchtgefahren mal für jeden zur --eigenverantwortlichen Selbstdenunzierung und Selbstkritik-- anheim gestellt.
Ja, ja harmlos war wie schon desöfteren hier festgestellt, gestern, gelle!
Trotzdem ein schönes Zigarrenwochenende,
bei mit gerade mit Rafael Gonzalez "Corona Extra"
Grüße aus Ricciland
Wege aus der Sucht - Wann aus Gewohnheit Abhängigkeit wird
Wer besonders gefährdet ist. Die wichtigsten Therapien