Sieben Jahre verbringt Hans Castorp, der Held von Thomas Manns Zauberberg, als Gesunder unter Kranken im Sanatorium Berghof in Davos. Um die langen Stunden der Liegekur erträglicher zu gestalten, hat Mann seinem Hauptprotagonisten die Leidenschaft für gute Zigarren mitgegeben. Eine bekannte Passage aus dem Roman:

«Ich verstehe es nicht, wie jemand nicht rauchen kann, er bringt sich doch, sozusagen, um des Lebens bestes Teil und jedenfalls um ein ganz eminentes Vergnügen! Wenn ich aufwache, so freue ich mich, dass ich tagsüber werde rauchen dürfen, und wenn ich esse, so freue ich mich darauf, ja ich kann sagen, dass ich eigentlich bloss esse, um rauchen zu können, wenn ich damit natürlich auch etwas übertreibe. Aber ein Tag ohne Tabak, das wäre der Gipfel der Schalheit, ein vollständig öder und reizloser Tag.»

In der Verfilmung des Zauberbergs, die gestern auf Arte lief, hat sich Hans Castrop in einen Nichtraucher verwandelt. Ob die Zigarre schon bei der Entstehung der Produktion 1981 der gesundheitlichen Volkserziehung zum Opfer fiel? Vielleicht ist Castorps Zigarren-Leidenschaft dem Regisseur schlicht als unwesentliches Detail erschienen. Was für eine «schale, reizlose» Auffassung...