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Das Churchill-Prinzip

Churchill und Roosevelt 

(Bild: Churchill mit Roosevelt und Zigarre; Quelle: Wikipedia)

Die FAZ hat heute ein neues Buch über Winston Churchill rezensiert. Das Churchill-Prinzip heisst das Werk, in dem der Versuch unternommen wird, die Quintessenz aus Churchills Art zu finden.

Das Buch biete «viel Biographisches und etwas Lebenshilfe», so die FAZ. Und es beschäftigt sich auch mit einigen Churchill-Mythen:

[..] das bekannte Bonmot „No sports!“, wenn es denn nicht überhaupt wie viele andere apokryph ist, sollte man schleunigst vergessen. Churchill wusste, was er seinem Körper schuldig war. Er spielte Polo, ging schwimmen, achtete auf seinen Mittagsschlaf und entspannte sich im Kreise seiner Familie. So ist er immerhin neunzig geworden.

Unangetastet bleibt der Mythos des Zigarrenrauchers Churchill:

Eines war Churchill ganz sicher nicht: langweilig. Ein Politiker, der in der Badewanne Zigarren raucht, Whisky trinkt und dabei dicke Geschichtsbücher diktiert, für die er verdientermaßen den Literaturnobelpreis bekommen wird, muss einfach faszinieren. Zugegeben, das ist etwas übertrieben. Er hat das zwar alles gemacht, aber nicht unbedingt gleichzeitig.

Erfolgsgeschichte Literatur und Tabak

Am 31. August 2007 will die Literarische Gesellschaft Thüringen den Anlass «Der letzte Zug» feiern, eine Art säkulare Prozession durch Gaststätten im klassischen Weimar. In öffentlichen Lesungen und Gesprächen soll der letzte Tag begangen werden, an dem in Deutschland das Rauchen noch uneingeschränkt erlaubt sein wird. Die Gesellschaft schreibt zum Anlass:

Literatur und Tabak – das ist seit Jahrhunderten eine Erfolgsgeschichte, die am 1. September 2007 durch Bundesgesetz wenn nicht beendet, so doch nachhaltig gehemmt werden wird. Manche von uns begrüßen das, einige beklagen sich, ein denkwürdiges Datum der Kulturgeschichte ist es in jedem Fall. Thomas Mann, Gottfried Benn, Bert Brecht, Heiner Müller, Heinrich Böll, Ernst Jünger, Jean-Paul Sartre, Vaclav Havel – viele große Schriftsteller kann man sich ohne Kippe oder Stumpen im Mundwinkel gar nicht vorstellen. In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts avancierte das Rauchen fast zu einer literarischen Schlüsselqualifikation. Dabei waren und sind die Dichter keineswegs ausnahmslos dem Nikotin ergeben. Der Tabak hatte und hat entschiedene Gegner auch bei den Poeten. Goethe mochte es gar nicht, dass Schiller seine Rauchlust nicht zügeln konnte. Trotzdem hat er es ihm sogar bei sich zu Hause erlaubt. Wie dem auch sei: Den letzten Zug wollen wir öffentlich genießen und, je nach Temperament und Neigung, mit kunstvollem Wehklagen oder poetischen Hochrufen in würdiger Form unseren Gedanken und Gefühlen Ausdruck verleihen.

Schon im Juni wies die Zeitung Westfälische Nachrichten in einer kurzen Notiz auf den Anlass hin. Ziemlich daneben gegriffen hat die Redaktion damals bei der Wahl des Titels: «Der letzte Zug: Schriftstelleraktion gegen das Rauchen». 

Inzwischen hat man den Text über die «Aktion gegen das Rauchen», die das gar nicht sein wollte, wieder von der Website entfernt. Kopien der falsch betitelten Meldung sind da und dort aber immer noch zu finden.

«The Last Tycoons»

Die NZZ am Sonntag schrieb letztes Wochenende im Artikel "Bank Lazard: Ein Buch über Sex, Zigarren und Mord" über das Buch mit dem Titel "The Last Tycoons - die geheime Geschichte von Lazard Frères & Co.":

In seiner Chronik der legendären Investmentboutique berichtet Autor William Cohan über Sex, kubanische Zigarren, einen Mord und Machtkämpfe hinter den Kulissen der über 158 Jahre alten Institution. Der schlagzeilenträchtige Wälzer ist an der Wall Street zur Insider-Lektüre geworden. Bei Amazon rangierte das Buch zeitweise auf Platz 2 bei den Vorbestellungen - nur von der letzten Folge der «Harry Potter»-Serie geschlagen.

Ein Buch, dass sich bei einer schönen Zigarre sicherlich herrlich lesen lässt - über die deutsche Übersetzung steht leider noch nichts geschrieben.

"Light a Cigar"

Gelesen bei der Autoren- und Leser-Community AuthorsDen:
Light a Cigar

Walking down the lonely street,
hearing the cobbles beneath my feet.
The sound echoes through the small lanes,
some people looking through windowpanes.

I feel alone as I wonder the into the night,
stars above, no girl not feeling just right.
I pass a bar, hear the sound of laughter,
carried on walking might go back after.

Let out a sigh looking at the night sky,
so alone, feeling down, wondering why.
Thought I might go back to that happy bar,
instead leaned against a lamppost, light a cigar.
Genau: Nieder mit Trübsal und Laternenpfählen, es lebe hoch der Zigarren-Genuss :-D

Kolumbus und die rauchenden Fackeln

Anknüpfend an den gestrigen Beitrag "The myth of the cigar" mache ich auf das etwas ältere Posting "Kuba-Literatur-Kritik" und folgende Passage aufmerksam:

Am 27. Oktober 1492 erhielt Colba, wie die Eingeborenen die größte ihrer Inseln nannten, Besuch von spanischen Seefahrern. Ihr Admiral, der Genuese Christoph Kolumbus, wähnte sich auf Zipangu, jener sagenumwobenen Insel, die dem von Marco Polo erwähnten Reich des Großkhans vorgelagert war.

Kolumbus war jedoch nicht in Japan, wie Zipangu damals genannt wurde, sondern auf Kuba gelandet. Bei der Begegnung mit den Ureinwohnern waren den ins Landesinnere entsandten Männern seltsame "Fackeln" aus gedrehten Blättern aufgefallen, die an einer Seite angezündet wurden, um den an der anderen Seite entstehenden Rauch zu inhalieren.

Der Nichtraucher Kolumbus schenkte aber weder dem Tabak noch dessen außergewöhnlichem Aroma die geringste Aufmerksamkeit. Den unfreiwilligen Entdecker der Neuen Welt trieb nämlich vor allem eines um: die Gier nach Gold.

Die Ignoranz des Spaniers darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Tabak den Taino-Indianern nicht etwa dazu diente, "ihr Fleisch zu betäuben", wie Kolumbus etwas verächtlich ins Bordtagebuch notiert hatte. Im Gegenteil. Die getrockneten Blätter spielten eine wichtige Rolle im sozialen Leben und waren darüber hinaus ein unentbehrliches Element zahlreicher religiöser Riten. Seit 1865 - die Kolonialherren hatten sich längst der Geheimnisse der Tabakkultivierung bemächtigt - verwandelten sich in den Zigarren-Manufakturen die Pulte der Vorleser in Tribünen freien Denkens. Zum ständigen Programm der auf diese Weise intellektuell 'geerdeten' Arbeiter gehörten Balzac, Jules Verne, H. G. Wells und Zola.

Der Zigarrenrauch umnebelt sodann die beiden Unabhängigkeitskriege. Als 1895 José Martí, der noch heute verehrte kubanischer Volksheld, zum Widerstand gegen die spanische Herrschaft aufrief, war sein Manifest symbolträchtig in ein Zigarrendeckblatt eingerollt. Schon zuvor hatte er den Aufständischen von Key West aus geheime Botschaften in Zigarren übermitteln lassen.

Nicht zuletzt war die Zigarre auch ständiger Begleiter der Revolutionäre - darüber belehrt der inzwischen leider vergriffene Fotoband "Kuba - Eine Revolution in Bildern" (1999) von Osvaldo und Roberto Salas. In Fidel Castros Revolution gegen General Batista taten sich die Zigarrenarbeiter - als Nachfahren ehemaliger Sklaven waren die Kubaner afrikanischer Abstammung bis dahin von der politischen Macht weitgehend ausgeschlossen - durch ihr ausgeprägtes politisches Bewusstsein hervor. Und als Gefangener erhielt der Comandante Botschaften, die, Martí lässt grüßen, in Zigarren steckten. Das Emblem des von ihm bevorzugten Glimmstengels zeigte den eingeborenen Krieger Hatuey vom Stamm der Taino, also einen Kubaner der präkolumbianischen Epoche. "Cohiba", heute der Name einer berühmten Sorte, ist ebenfalls ein Wort der Taino-Sprache und bedeutet 'Tabak'.
(Bild: Christoph Kolumbus; Bildquelle: Wikipedia)

Lesetipp für Aficionados

Gefunden bei Focus Online im Artikel "Ein Krimi wie von Hemingway":
Leonardo Paduras „Adíos Hemingway“ liest man am besten in einem Liegestuhl auf einer Veranda, mit einer Zigarre und einem guten Glas kubanischen Rums, lässt über sich den alten Deckenventilator kreisen und sieht hin und wieder auf das türkisblaue Meer.


(Bildquelle: Unionsverlag)

«Davidoff – Legende - Mythos - Wirklichkeit»

Gelesen auf der Site von Davidoff (besucht nach dem Genuss einer Davidoff Millenium Blend Piramides):
"Er war ein jüdischer Flüchtling aus der Ukraine - heute steht sein Name für Genuß und gehobene Lebensart: Zino Davidoff. Lebendig und kenntnisreich erzählt Dieter H. Wirtz vom Leben und Wirken des Grand Old Man der Cigarre und zeigt auf, wie sich aus einem kleinen Tabakwarenladen in Genf ein Weltkonzern entwickelt hat.

Eine spannende Biographie und zugleich ein Stück lehrreiche Zeitgeschichte. Dieter H. Wirtz, der als der renommierteste deutschsprachige Buchautor in Sachen Cigarren gilt, lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Mönchengladbach. Erscheint am 1. März 2006 im Econ Verlag, Berlin. Preis € 24,90 / € (A) 25,60 / CHF 44.--"
(Bildquelle: Davidoff)

Zu verkaufen: Zigarren-, Tabak- und Kuba-Büchersammlung

Gelegenheit: Ein Netz-Bekannter aus Deutschland verkauft eine wunderbare Sammlung an Büchern über Zigarren, Tabak und Kuba. Er begründet diesen Schritt mit folgenden Worten :
Wegen Aufgabe des Interessensgebietes verkaufe ich eine Zigarren-, Tabak- und Kubabüchersammlung, es handelt sich um etwa 70 Werke, darunter viele vergriffene Raritäten und Bildbände sowie von Alejandro Robaina signierte Exemplare. Wer sich dafür ernsthaft interessiert kann von mir eine Worddatei anfordern, in der alle Titel ausführlich aufgelistet sind. Die Bücher sind nur zusammen zu verkaufen, da mir für einen Einzelverkauf leider die Zeit fehlt.

Besagte Worddatei habe ich in eine PDF-Datei umgewandelt. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Interessierte melden sich bitte bei mir. Ich leite die Anfragen anschliessend weiter.

Update, 25. November, Mittag: Die Sammlung ist verkauft. Bitte nicht mehr melden.

Ein perfektes Leben

Wieder mal ein themenaffiner Buchtipp. Auszug aus Paduro, Leonardo: Ein perfektes Leben, Unionsverlag:

(...)Hinter seinem Schreibtisch zelebrierte Mayor Rangel den Akt des Zigarrenanzündens. Er drehte die Zigarre an der leicht geneigten Flamme des Gasfeuerzeugs, wobei er in regelmäßigen Abständen blauen Rauch ausstieß, der in Höhe seiner Augen schwebte und ihn in eine dicke, duftende Wolke hüllte. Rauchen war ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens, und niemand, der seine schwärmerische Leidenschaft für eine gute Havanna kannte, hätte ihn jemals gestört, während er eine Zigarre anzündete. Wann immer sie konnten, schenkten sie ihm eine Zigarre, zu jeder Gelegenheit: Geburtstag und Hochzeitstag, Vatertag und Neujahr, Geburt eines Enkels oder Examen eines Kindes. Auf diese Weise legte sich Mayor Rangel eine stolze Sammlung zu, eine Reserve, aus der er sich bediente. Je nach Tageszeit eine bestimmte Marke, je nach Stimmung eine bestimmte Dicke und je nachdem, wie viel Zeit er zum Rauchen hatte, eine bestimmte Länge.
Erst als er die Havanna richtig angezündet hatte und mit der Befriedigung des Kenners die makellose Aschekrone der Glut betrachten konnte, richtete er sich in seinem Sessel auf und sah den soeben Eingetretenen an.
»Du wolltest mich sehen, ja?«, begann der Teniente.
»Was bleibt mir schon übrig. Also, setz dich.«

Wenn man in einem so angespannten Zustand ist und das Gefühl hat, keinen klaren Gedanken fassen zu können, dann ist es das Beste, sich eine Havanna anzuzünden. Aber nicht, um einfach nur etwas anzuzünden und Rauch zu inhalieren, sondern um die Zigarre wirklich zu rauchen. Nur so kann man von ihr alles bekommen, was sie an Gutem zu geben hat. Wenn ich rauche und dabei etwas anderes tue, verschwende ich diese 14,2 Zentimeter lange Davidoff 5000 Gran Corona. Sie verdient, dass man sie bewusst raucht, oder einfach nur, dass man sich hinsetzt, um zu rauchen und sich dabei eine Stunde lang zu unterhalten. Genau die Zeitspanne für eine gute Zigarre. Die Davidoff, die ich mir heute Morgen angezündet habe, war ein Desaster. Erstens weil der Vormittag noch nie der beste Zeitpunkt für eine Zigarre dieser Kategorie war, und zweitens, weil ich sie nicht vorschriftsmäßig angeraucht habe. Ich habe sie verdorben, und so sehr ich mich auch bemüht habe, sie zu retten, es ist mir nicht gelungen. Ich hatte das Gefühl, einen ordinären Stumpen zu rauchen, ehrlich. Ich weiß nicht, wie du pro Tag zwei Schachteln Zigaretten rauchen kannst anstatt einer einzigen Havanna. Das macht dich so nervös. Ich sag ja nicht, dass es eine Davidoff 5000 oder irgendeine andere Spitzenzigarre sein muss, eine Romeo y Julieta Cedros N° 2 zum Beispiel, eine Montecristo N° 3 oder eine Rey del Mundo. Nein, irgendeine gute Zigarre mit dunklem Deckblatt, die einen leichten Zug hat und ebenso leicht brennt, das ist das wahre Leben, Mario, oder wenigstens kommt es dem am nächsten. Kipling hat einmal gesagt, eine Frau ist nur eine Frau, aber eine gute Zigarre ist mehr als das. Und ich sage dir, der Mann hatte Recht. Denn wenn ich auch nicht viel über Frauen weiß, mit Zigarren kenne ich mich aus. Es ist ein Freudenfest für die Sinne, mein Lieber. Schärft die Augen, weckt den Geruchssinn, rundet den Tastsinn ab, und nach dem Essen hinterlässt sie, zusammen mit einer Tasse Kaffee, einen angenehmen Geschmack im Mund. Es ist sogar Musik in den Ohren! Hör mal, ich drehe sie zwischen den Fingern, und sie stöhnt auf, als wär sie rollig. Hörst dus? Und dann die zusätzlichen Wonnen: Eine makellose Aschespitze von zwei Zentimetern anzuschauen oder die Bauchbinde abzuziehen, nachdem du das erste Drittel geraucht hast, ist das nicht das wahre Leben? Starr mich nicht so an, ich meins vollkommen ernst, mehr als du glaubst. Rauchen ist eine Lust, vor allem dann, wenn du zu rauchen verstehst. Was du machst, ist ein Laster und ordinär. Deswegen wirst du ausfällig und ärgerst dich schwarz. Hör zu, Mario: Dies ist ein Fall wie jeder andere, und du wirst ihn lösen. Aber lass dich nicht von der Vergangenheit beeinflussen, okay? Schau mal, damit du dich wieder in die Reihe kriegst, werd ich eine Ausnahme machen. Na ja, du weißt, dass ich sonst niemandem eine Zigarre schenke, aber dir werde ich eine von meinen Davidoff 5000 verehren. Und jetzt sag ich Maruchi, sie soll dir einen Kaffee bringen. Dazu zündest du dir die Zigarre an, so wie ichs dir beschrieben habe, und dann erzählst du mir, wie du dich fühlst. Du müsstest schon ein ausgemachter Blödmann sein, wenn dir das nicht hilft, das Leben zu genießen.(...)

Dadaistische "Cigarren"

Kurt Schwitters "Cigarren":

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Cigarren (Der letzte Vers wird gesungen.)

Verwirrt? Das ist Dadaismus.
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