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In diesem Streit kein Frieden ist

Über den Tabak wird schon lange kontrovers diskutiert. Ein schönes Beispiel dafür liefert ein Gedicht des Schriftstellers Siegmund Haber, aufgestöbert von «Die Welt» im Buch «Aussprüche deutscher Zeitgenossen über den Tabakgenuss» aus dem Jahr 1890:

Der Eine dampft voll Eifer sie,
Der Andere schmäht voll Geifer sie;
Den schaudert's, wenn nicht echt sie ist,
Der raucht, wenn noch so schlecht sie ist;
Mit vielem Geld verschafft man sie,
Gedankenlos verpafft man sie;
Wer keine hat, dem, fehlt sie sehr;
Ist sie zu leicht, dann "fleckt" sie nicht,
Und ist man krank, dann schmeckt sie nicht;
Hat man App'tit, dann sucht man sie,
Als Lump grundsätzlich schnorrt man sie,
Seekrank wirft über Bord man sie;
's giebt welche, die ganz gut man raucht,
Zu and'ren wieder Muth man braucht.
Als Nahrungsmittel gilt sie nicht,
Schon raucht als Gymnasiast man sie,
Als Hausfrau aber hasst man sie.
Kurzum: ob sie zu loben sei,
Ob gegen sie zu toben sei,
In diesem Streit kein Frieden ist,
Weil der Geschmack verschieden ist.

«Elegie auf den Rauch»

Der deutsche Dichter und Büchner-Preisträger Durs Grünbein blickt dem Rauchregime, das in Deutschland im neuen Jahr umgesetzt werden soll, mit Wehmut entgegen. Im Politikmagazin Cicero hat er ein leises Klagelied auf den Tabak angestimmt:

(..) Viele der größten Schriftsteller und Künstler waren Kettenraucher oder hingen an der Zigarre. Die enorme Produktion eines Hemingway ist anders kaum denkbar. Von Brecht aus ging eine ganze Tradition von Zigarrenrauchern bis hin zu Heiner Müller, der gern den Satz zitierte: Wer raucht, sieht kaltblütig aus. Eine gewisse Art des philosophischen Gesprächs, mit langen Denkpausen wie beim Schachspiel, der Körper zurückgelehnt, ist überhaupt nur mit einer Havanna möglich. Es passt ganz ins Bild der neuen Zeitökonomie und der Reglementierung des Freizeitlebens, wenn dieser Luxus der Langsamkeit jetzt ein Ende hat. Als ginge es um die Schließung von Opiumhöhlen, wird aus den Hotels und Nachtbars das Refugium der Afficionados verschwinden. Feinstäube, Autoabgase, die Dauerbeschallung in Fahrstühlen und Flugzeugen, Küchengerüche in Restaurants – alles das bleibt uns erhalten, nur der aromatische Duft einer Zigarre ist plötzlich verpönt.

Es ist Zeit, eine Elegie anzustimmen auf ein Symbol des alten Europa: die dicke Zigarre des sprichwörtlich dicken Kapitalisten. Wieder ist ein Genussmittel öffentlich auf den Index gesetzt, wieder geht ein Moment von Lebensqualität verloren. Aber vielleicht, sagt meine Frau, ist vor den Zigarren ja schon der Mensch verschwunden, der Zigarren noch zu genießen wusste, ein Wesen wie Thomas Mann etwa mit seiner legendären Maria Mancini, ein Zauberer des höheren Dunsts und der gesprächsweisen Ironie. Kinder, hört auf, von Salonkultur zu reden. Bleibt zu Hause und unterhaltet euch mit euren Fernsehgeräten. Es lohnt nicht mehr, in den tiefen Clubsesseln zu versinken. Der Traum von tausendundeiner Nacht der Geselligkeit ist vom ersten Januar 2008 an Asche.

Weiterlesen auf Cicero.de..

Das Churchill-Prinzip

Churchill und Roosevelt 

(Bild: Churchill mit Roosevelt und Zigarre; Quelle: Wikipedia)

Die FAZ hat heute ein neues Buch über Winston Churchill rezensiert. Das Churchill-Prinzip heisst das Werk, in dem der Versuch unternommen wird, die Quintessenz aus Churchills Art zu finden.

Das Buch biete «viel Biographisches und etwas Lebenshilfe», so die FAZ. Und es beschäftigt sich auch mit einigen Churchill-Mythen:

[..] das bekannte Bonmot „No sports!“, wenn es denn nicht überhaupt wie viele andere apokryph ist, sollte man schleunigst vergessen. Churchill wusste, was er seinem Körper schuldig war. Er spielte Polo, ging schwimmen, achtete auf seinen Mittagsschlaf und entspannte sich im Kreise seiner Familie. So ist er immerhin neunzig geworden.

Unangetastet bleibt der Mythos des Zigarrenrauchers Churchill:

Eines war Churchill ganz sicher nicht: langweilig. Ein Politiker, der in der Badewanne Zigarren raucht, Whisky trinkt und dabei dicke Geschichtsbücher diktiert, für die er verdientermaßen den Literaturnobelpreis bekommen wird, muss einfach faszinieren. Zugegeben, das ist etwas übertrieben. Er hat das zwar alles gemacht, aber nicht unbedingt gleichzeitig.

Erfolgsgeschichte Literatur und Tabak

Am 31. August 2007 will die Literarische Gesellschaft Thüringen den Anlass «Der letzte Zug» feiern, eine Art säkulare Prozession durch Gaststätten im klassischen Weimar. In öffentlichen Lesungen und Gesprächen soll der letzte Tag begangen werden, an dem in Deutschland das Rauchen noch uneingeschränkt erlaubt sein wird. Die Gesellschaft schreibt zum Anlass:

Literatur und Tabak – das ist seit Jahrhunderten eine Erfolgsgeschichte, die am 1. September 2007 durch Bundesgesetz wenn nicht beendet, so doch nachhaltig gehemmt werden wird. Manche von uns begrüßen das, einige beklagen sich, ein denkwürdiges Datum der Kulturgeschichte ist es in jedem Fall. Thomas Mann, Gottfried Benn, Bert Brecht, Heiner Müller, Heinrich Böll, Ernst Jünger, Jean-Paul Sartre, Vaclav Havel – viele große Schriftsteller kann man sich ohne Kippe oder Stumpen im Mundwinkel gar nicht vorstellen. In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts avancierte das Rauchen fast zu einer literarischen Schlüsselqualifikation. Dabei waren und sind die Dichter keineswegs ausnahmslos dem Nikotin ergeben. Der Tabak hatte und hat entschiedene Gegner auch bei den Poeten. Goethe mochte es gar nicht, dass Schiller seine Rauchlust nicht zügeln konnte. Trotzdem hat er es ihm sogar bei sich zu Hause erlaubt. Wie dem auch sei: Den letzten Zug wollen wir öffentlich genießen und, je nach Temperament und Neigung, mit kunstvollem Wehklagen oder poetischen Hochrufen in würdiger Form unseren Gedanken und Gefühlen Ausdruck verleihen.

Schon im Juni wies die Zeitung Westfälische Nachrichten in einer kurzen Notiz auf den Anlass hin. Ziemlich daneben gegriffen hat die Redaktion damals bei der Wahl des Titels: «Der letzte Zug: Schriftstelleraktion gegen das Rauchen». 

Inzwischen hat man den Text über die «Aktion gegen das Rauchen», die das gar nicht sein wollte, wieder von der Website entfernt. Kopien der falsch betitelten Meldung sind da und dort aber immer noch zu finden.

«The Last Tycoons»

Die NZZ am Sonntag schrieb letztes Wochenende im Artikel "Bank Lazard: Ein Buch über Sex, Zigarren und Mord" über das Buch mit dem Titel "The Last Tycoons - die geheime Geschichte von Lazard Frères & Co.":

In seiner Chronik der legendären Investmentboutique berichtet Autor William Cohan über Sex, kubanische Zigarren, einen Mord und Machtkämpfe hinter den Kulissen der über 158 Jahre alten Institution. Der schlagzeilenträchtige Wälzer ist an der Wall Street zur Insider-Lektüre geworden. Bei Amazon rangierte das Buch zeitweise auf Platz 2 bei den Vorbestellungen - nur von der letzten Folge der «Harry Potter»-Serie geschlagen.

Ein Buch, dass sich bei einer schönen Zigarre sicherlich herrlich lesen lässt - über die deutsche Übersetzung steht leider noch nichts geschrieben.

"Light a Cigar"

Gelesen bei der Autoren- und Leser-Community AuthorsDen:
Light a Cigar

Walking down the lonely street,
hearing the cobbles beneath my feet.
The sound echoes through the small lanes,
some people looking through windowpanes.

I feel alone as I wonder the into the night,
stars above, no girl not feeling just right.
I pass a bar, hear the sound of laughter,
carried on walking might go back after.

Let out a sigh looking at the night sky,
so alone, feeling down, wondering why.
Thought I might go back to that happy bar,
instead leaned against a lamppost, light a cigar.
Genau: Nieder mit Trübsal und Laternenpfählen, es lebe hoch der Zigarren-Genuss :-D

Kolumbus und die rauchenden Fackeln

Anknüpfend an den gestrigen Beitrag "The myth of the cigar" mache ich auf das etwas ältere Posting "Kuba-Literatur-Kritik" und folgende Passage aufmerksam:

Am 27. Oktober 1492 erhielt Colba, wie die Eingeborenen die größte ihrer Inseln nannten, Besuch von spanischen Seefahrern. Ihr Admiral, der Genuese Christoph Kolumbus, wähnte sich auf Zipangu, jener sagenumwobenen Insel, die dem von Marco Polo erwähnten Reich des Großkhans vorgelagert war.

Kolumbus war jedoch nicht in Japan, wie Zipangu damals genannt wurde, sondern auf Kuba gelandet. Bei der Begegnung mit den Ureinwohnern waren den ins Landesinnere entsandten Männern seltsame "Fackeln" aus gedrehten Blättern aufgefallen, die an einer Seite angezündet wurden, um den an der anderen Seite entstehenden Rauch zu inhalieren.

Der Nichtraucher Kolumbus schenkte aber weder dem Tabak noch dessen außergewöhnlichem Aroma die geringste Aufmerksamkeit. Den unfreiwilligen Entdecker der Neuen Welt trieb nämlich vor allem eines um: die Gier nach Gold.

Die Ignoranz des Spaniers darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Tabak den Taino-Indianern nicht etwa dazu diente, "ihr Fleisch zu betäuben", wie Kolumbus etwas verächtlich ins Bordtagebuch notiert hatte. Im Gegenteil. Die getrockneten Blätter spielten eine wichtige Rolle im sozialen Leben und waren darüber hinaus ein unentbehrliches Element zahlreicher religiöser Riten. Seit 1865 - die Kolonialherren hatten sich längst der Geheimnisse der Tabakkultivierung bemächtigt - verwandelten sich in den Zigarren-Manufakturen die Pulte der Vorleser in Tribünen freien Denkens. Zum ständigen Programm der auf diese Weise intellektuell 'geerdeten' Arbeiter gehörten Balzac, Jules Verne, H. G. Wells und Zola.

Der Zigarrenrauch umnebelt sodann die beiden Unabhängigkeitskriege. Als 1895 José Martí, der noch heute verehrte kubanischer Volksheld, zum Widerstand gegen die spanische Herrschaft aufrief, war sein Manifest symbolträchtig in ein Zigarrendeckblatt eingerollt. Schon zuvor hatte er den Aufständischen von Key West aus geheime Botschaften in Zigarren übermitteln lassen.

Nicht zuletzt war die Zigarre auch ständiger Begleiter der Revolutionäre - darüber belehrt der inzwischen leider vergriffene Fotoband "Kuba - Eine Revolution in Bildern" (1999) von Osvaldo und Roberto Salas. In Fidel Castros Revolution gegen General Batista taten sich die Zigarrenarbeiter - als Nachfahren ehemaliger Sklaven waren die Kubaner afrikanischer Abstammung bis dahin von der politischen Macht weitgehend ausgeschlossen - durch ihr ausgeprägtes politisches Bewusstsein hervor. Und als Gefangener erhielt der Comandante Botschaften, die, Martí lässt grüßen, in Zigarren steckten. Das Emblem des von ihm bevorzugten Glimmstengels zeigte den eingeborenen Krieger Hatuey vom Stamm der Taino, also einen Kubaner der präkolumbianischen Epoche. "Cohiba", heute der Name einer berühmten Sorte, ist ebenfalls ein Wort der Taino-Sprache und bedeutet 'Tabak'.
(Bild: Christoph Kolumbus; Bildquelle: Wikipedia)

Lesetipp für Aficionados

Gefunden bei Focus Online im Artikel "Ein Krimi wie von Hemingway":
Leonardo Paduras „Adíos Hemingway“ liest man am besten in einem Liegestuhl auf einer Veranda, mit einer Zigarre und einem guten Glas kubanischen Rums, lässt über sich den alten Deckenventilator kreisen und sieht hin und wieder auf das türkisblaue Meer.


(Bildquelle: Unionsverlag)

«Davidoff – Legende - Mythos - Wirklichkeit»

Gelesen auf der Site von Davidoff (besucht nach dem Genuss einer Davidoff Millenium Blend Piramides):
"Er war ein jüdischer Flüchtling aus der Ukraine - heute steht sein Name für Genuß und gehobene Lebensart: Zino Davidoff. Lebendig und kenntnisreich erzählt Dieter H. Wirtz vom Leben und Wirken des Grand Old Man der Cigarre und zeigt auf, wie sich aus einem kleinen Tabakwarenladen in Genf ein Weltkonzern entwickelt hat.

Eine spannende Biographie und zugleich ein Stück lehrreiche Zeitgeschichte. Dieter H. Wirtz, der als der renommierteste deutschsprachige Buchautor in Sachen Cigarren gilt, lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt Mönchengladbach. Erscheint am 1. März 2006 im Econ Verlag, Berlin. Preis € 24,90 / € (A) 25,60 / CHF 44.--"
(Bildquelle: Davidoff)

Zu verkaufen: Zigarren-, Tabak- und Kuba-Büchersammlung

Gelegenheit: Ein Netz-Bekannter aus Deutschland verkauft eine wunderbare Sammlung an Büchern über Zigarren, Tabak und Kuba. Er begründet diesen Schritt mit folgenden Worten :
Wegen Aufgabe des Interessensgebietes verkaufe ich eine Zigarren-, Tabak- und Kubabüchersammlung, es handelt sich um etwa 70 Werke, darunter viele vergriffene Raritäten und Bildbände sowie von Alejandro Robaina signierte Exemplare. Wer sich dafür ernsthaft interessiert kann von mir eine Worddatei anfordern, in der alle Titel ausführlich aufgelistet sind. Die Bücher sind nur zusammen zu verkaufen, da mir für einen Einzelverkauf leider die Zeit fehlt.

Besagte Worddatei habe ich in eine PDF-Datei umgewandelt. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Interessierte melden sich bitte bei mir. Ich leite die Anfragen anschliessend weiter.

Update, 25. November, Mittag: Die Sammlung ist verkauft. Bitte nicht mehr melden.
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