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«Cigar rollers work their hands, and their minds»



Twitter-Freund @CigarJapan hat auf das Video «Cigar rollers work their hands, and their minds» von AFP aufmerksam gemacht. Es zeigt eine Vorleserin bei ihrer Arbeit einer kubanischen Zigarren-Manufaktur. Für Hintergründiges zur Arbeit der Vorleser sei auf den Cigar Blog-Beitrag «Der Vorleser» aus dem Jahr 2005 verwiesen.

«Man lebte, um zu rauchen»

Die Basler Zeitung hat einen Abgesang auf das Zeitalter des Rauchens («Rauch war die Droge des Industriezeitalters: Und galt als Symbol der Dynamik von der Dampflock bis zum Intellektuellen.») veröffentlicht («Man lebte, um zu rauchen»). Darin wird hauptsächlich über Zigaretten sinniert. Doch der Text kommt so schön poetisch und wehmütig daher, dass er auf jeden Fall eine Erwähnung verdient:

(..) Aber die Frage bleibt: Warum führt man sich kleine Pakete Gift zu? Warum liefert man sich einer Sucht aus? Und schädigt seine Gesundheit?

Die Antwort darauf ist einfach (wie bei den Extremfällen Schizophrenie oder Depression): Es ist gesund, eine Harmonie von Innen und Aussen zu haben. Bei Liebeskummer, Schüchternheit, Ärger hilft das lähmende Gift der Zigarette, den zu gesunden Organismus dem seekranken Geist anzupassen. Aber auch alles Glück – die Verliebtheit, das Gelingen, das Denken – hat etwas Infektiöses: Etwas berührt dich: so fremd, tief und glücklich wie ein Schluck Rauch.

Eine kleine Zigarrengeschichte

Archi W. Bechlenberg vom Portal Herrenzimmer.de hat mich auf eine Geschichte von Wiglaf Droste hingewiesen. Wiglaf Droste ist ein deutscher Schriftsteller und Satiriker, der in diesem Frühling als Stadtschreiber von Rheinsberg eine Havannna rauchte und dabei unerwartete Gesellschaft erhielt. Das Herrenzimmer durfte einen Auszug des Textes «Auf sie mit Idyll» veröffentlichen.

«Detektive auf Entzug»

Der Bund zeichnet im Artikel Detektive auf Entzug die Kulturgeschichte des Rauchens am Beispiel der Kriminalliteratur nach. Ein Auszug:

Sherlock Holmes als Nichtraucher? Unvorstellbar. Zum Bild des Meisterdetektivs gehört – neben der Lupe – zwingend die geschwungene Tabakspfeife, die er in seinem Sessel sitzend genüsslich schmaucht. Auch Zigarren und Zigaretten verachtet Holmes nicht. Kein Wunder, das «Tobackrauchen» gilt schon seit dem 17. Jahrhundert als ausgezeichnetes Mittel, behagliche Anregung zu geistiger Arbeit zu verschaffen und das Denken zu schärfen. Tabak ist also gewiss nicht das falsche Genussmittel für den fast pathologischen Beobachter, akribischen Denker und blitzgescheiten Kombinierer.

Premium-News mit Avo Uvezian

Premium-News mit Avo Uvezian

Die vierte Ausgabe unserer Zeitung Premium-News ist da! Das Titelinterview haben wir dieses mal mit der Jazz- und Zigarrenlegende Avo Uvezian geführt. Speziell hinweisen möchte ich auf die Aussagen von Avo Uvezian zur Differenzierung von Zigaretten und Zigarren. Weitere Themen der neuen Zeitung sind das Habanos Festival, ein Portrait der Schweizer Baristameisterin Anna Käppeli und ein Bericht zur Winston Churchill Cigars-Premiere in Zürich.

Rauchverbot auf dem Zauberberg

Sieben Jahre verbringt Hans Castorp, der Held von Thomas Manns Zauberberg, als Gesunder unter Kranken im Sanatorium Berghof in Davos. Um die langen Stunden der Liegekur erträglicher zu gestalten, hat Mann seinem Hauptprotagonisten die Leidenschaft für gute Zigarren mitgegeben. Eine bekannte Passage aus dem Roman:

«Ich verstehe es nicht, wie jemand nicht rauchen kann, er bringt sich doch, sozusagen, um des Lebens bestes Teil und jedenfalls um ein ganz eminentes Vergnügen! Wenn ich aufwache, so freue ich mich, dass ich tagsüber werde rauchen dürfen, und wenn ich esse, so freue ich mich darauf, ja ich kann sagen, dass ich eigentlich bloss esse, um rauchen zu können, wenn ich damit natürlich auch etwas übertreibe. Aber ein Tag ohne Tabak, das wäre der Gipfel der Schalheit, ein vollständig öder und reizloser Tag.»

In der Verfilmung des Zauberbergs, die gestern auf Arte lief, hat sich Hans Castrop in einen Nichtraucher verwandelt. Ob die Zigarre schon bei der Entstehung der Produktion 1981 der gesundheitlichen Volkserziehung zum Opfer fiel? Vielleicht ist Castorps Zigarren-Leidenschaft dem Regisseur schlicht als unwesentliches Detail erschienen. Was für eine «schale, reizlose» Auffassung...

Die Kultur des Rauchens

Im heutigen «Literatur und Kunst»-Teil der NZZ schreiben zehn Gastautoren über den Tabakgenuss. Demjenigen, der nicht alles lesen mag, sei der Beitrag von Peter Bichsel empfohlen.

Cigarren und ihre Begleiter: Humbug oder seriöse Entscheidungshilfe?

Durch das neue Buch «Cigarre & Co. Cigarren und ihre Begleiter» von Dieter H. Wirtz und Matthias Martens ist in Internetforen ein Glaubenskrieg über die Sinnhaftigkeit von Crosstastings mit Zigarren und Getränken ausgebrochen. Auslöser ist ein bitterböser Verriss von Buch und Autor Wirtz, der kürzlich im Herrenzimmer veröffentlicht wurde. In der Herrenzimmer-Rezension heisst es dazu:

(..) Kann, soll und vor allem darf man Empfehlungen darüber aussprechen, warum welche Cigarre zu welchem Cognac, Wein, Whisky, Champagner, Obstbrand oder Kaffee schmeckt? Wie kommen solche Empfehlungen zustande? Kann man sich tatsächlich durch hunderte von cubanischen Cigarren und ebenso viele verschiedene Rums arbeiten, um dann das eine wirklich zusammen passende Paar feststellen und empfehlen zu können? Diese einfache Frage und die noch einfachere Antwort "Nö" lassen erkennen: so etwas geht gar nicht. Derartige Empfehlungen müssen zwangsläufig subjektiv und vor allem alles andere als verbindlich sein. Aber anstatt still zu halten schreiben Wirtz und Co dieses Buch.

Über das Buch «Cigarre & Co. Cigarren und ihre Begleiter» kann ich nicht urteilen - ich habe es nicht gelesen. Ein kurzes Wort nur zur Aussage, Empfehlungen zu Zigarren-Getränke-Kombinationen seien zwangsläufig subjektiv.

Das Zigarren-Wein-Tasting, das wir vor zwei Jahren mit dem Sensorik-Profi und ehemaligen Schweizer Meister im Weindegustieren Eduard J. Graf durchgeführt haben, hat uns gezeigt, dass manche Zigarren-Wein-Paarungen eindeutig besser harmonieren als andere. In manchen Fällen hat entweder der Wein oder die Zigarre den jeweiligen Partner dominiert, in anderen Paarungen wurden einzelne Geschmackskomponenten unangenehm betont. Beobachtungen, die für alle Teilnehmer der Degustation nachvollziehbar waren. Interessant war, dass keine allgemeingültigen Regeln aufgestellt werden konnten - nicht immer passt ein vollmundiger Wein zu einer kräftigen Havanna.

Deshalb haben Cross-Tastings von Zigarren und Getränken meines Erachtens durchaus ihre Berechtigung. Ob der Aficionado dafür aber ein Buch braucht, ist eine andere Frage. Der Weg ist das Ziel - wo trifft dies mehr zu als beim Geniessen?

In diesem Streit kein Frieden ist

Über den Tabak wird schon lange kontrovers diskutiert. Ein schönes Beispiel dafür liefert ein Gedicht des Schriftstellers Siegmund Haber, aufgestöbert von «Die Welt» im Buch «Aussprüche deutscher Zeitgenossen über den Tabakgenuss» aus dem Jahr 1890:

Der Eine dampft voll Eifer sie,
Der Andere schmäht voll Geifer sie;
Den schaudert's, wenn nicht echt sie ist,
Der raucht, wenn noch so schlecht sie ist;
Mit vielem Geld verschafft man sie,
Gedankenlos verpafft man sie;
Wer keine hat, dem, fehlt sie sehr;
Ist sie zu leicht, dann "fleckt" sie nicht,
Und ist man krank, dann schmeckt sie nicht;
Hat man App'tit, dann sucht man sie,
Als Lump grundsätzlich schnorrt man sie,
Seekrank wirft über Bord man sie;
's giebt welche, die ganz gut man raucht,
Zu and'ren wieder Muth man braucht.
Als Nahrungsmittel gilt sie nicht,
Schon raucht als Gymnasiast man sie,
Als Hausfrau aber hasst man sie.
Kurzum: ob sie zu loben sei,
Ob gegen sie zu toben sei,
In diesem Streit kein Frieden ist,
Weil der Geschmack verschieden ist.

«Elegie auf den Rauch»

Der deutsche Dichter und Büchner-Preisträger Durs Grünbein blickt dem Rauchregime, das in Deutschland im neuen Jahr umgesetzt werden soll, mit Wehmut entgegen. Im Politikmagazin Cicero hat er ein leises Klagelied auf den Tabak angestimmt:

(..) Viele der größten Schriftsteller und Künstler waren Kettenraucher oder hingen an der Zigarre. Die enorme Produktion eines Hemingway ist anders kaum denkbar. Von Brecht aus ging eine ganze Tradition von Zigarrenrauchern bis hin zu Heiner Müller, der gern den Satz zitierte: Wer raucht, sieht kaltblütig aus. Eine gewisse Art des philosophischen Gesprächs, mit langen Denkpausen wie beim Schachspiel, der Körper zurückgelehnt, ist überhaupt nur mit einer Havanna möglich. Es passt ganz ins Bild der neuen Zeitökonomie und der Reglementierung des Freizeitlebens, wenn dieser Luxus der Langsamkeit jetzt ein Ende hat. Als ginge es um die Schließung von Opiumhöhlen, wird aus den Hotels und Nachtbars das Refugium der Afficionados verschwinden. Feinstäube, Autoabgase, die Dauerbeschallung in Fahrstühlen und Flugzeugen, Küchengerüche in Restaurants – alles das bleibt uns erhalten, nur der aromatische Duft einer Zigarre ist plötzlich verpönt.

Es ist Zeit, eine Elegie anzustimmen auf ein Symbol des alten Europa: die dicke Zigarre des sprichwörtlich dicken Kapitalisten. Wieder ist ein Genussmittel öffentlich auf den Index gesetzt, wieder geht ein Moment von Lebensqualität verloren. Aber vielleicht, sagt meine Frau, ist vor den Zigarren ja schon der Mensch verschwunden, der Zigarren noch zu genießen wusste, ein Wesen wie Thomas Mann etwa mit seiner legendären Maria Mancini, ein Zauberer des höheren Dunsts und der gesprächsweisen Ironie. Kinder, hört auf, von Salonkultur zu reden. Bleibt zu Hause und unterhaltet euch mit euren Fernsehgeräten. Es lohnt nicht mehr, in den tiefen Clubsesseln zu versinken. Der Traum von tausendundeiner Nacht der Geselligkeit ist vom ersten Januar 2008 an Asche.

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