Erfolgsgeschichte Literatur und Tabak
Am 31. August 2007 will die Literarische Gesellschaft Thüringen den Anlass «Der letzte Zug» feiern, eine Art säkulare Prozession durch Gaststätten im klassischen Weimar. In öffentlichen Lesungen und Gesprächen soll der letzte Tag begangen werden, an dem in Deutschland das Rauchen noch uneingeschränkt erlaubt sein wird. Die Gesellschaft schreibt zum Anlass:
Literatur und Tabak – das ist seit Jahrhunderten eine Erfolgsgeschichte, die am 1. September 2007 durch Bundesgesetz wenn nicht beendet, so doch nachhaltig gehemmt werden wird. Manche von uns begrüßen das, einige beklagen sich, ein denkwürdiges Datum der Kulturgeschichte ist es in jedem Fall. Thomas Mann, Gottfried Benn, Bert Brecht, Heiner Müller, Heinrich Böll, Ernst Jünger, Jean-Paul Sartre, Vaclav Havel – viele große Schriftsteller kann man sich ohne Kippe oder Stumpen im Mundwinkel gar nicht vorstellen. In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts avancierte das Rauchen fast zu einer literarischen Schlüsselqualifikation. Dabei waren und sind die Dichter keineswegs ausnahmslos dem Nikotin ergeben. Der Tabak hatte und hat entschiedene Gegner auch bei den Poeten. Goethe mochte es gar nicht, dass Schiller seine Rauchlust nicht zügeln konnte. Trotzdem hat er es ihm sogar bei sich zu Hause erlaubt. Wie dem auch sei: Den letzten Zug wollen wir öffentlich genießen und, je nach Temperament und Neigung, mit kunstvollem Wehklagen oder poetischen Hochrufen in würdiger Form unseren Gedanken und Gefühlen Ausdruck verleihen.
Schon im Juni wies die Zeitung Westfälische Nachrichten in einer kurzen Notiz auf den Anlass hin. Ziemlich daneben gegriffen hat die Redaktion damals bei der Wahl des Titels: «Der letzte Zug: Schriftstelleraktion gegen das Rauchen».
Inzwischen hat man den Text über die «Aktion gegen das Rauchen», die das gar nicht sein wollte, wieder von der Website entfernt. Kopien der falsch betitelten Meldung sind da und dort aber immer noch zu finden.






Kommentare