Der deutsche Dichter und Büchner-Preisträger Durs Grünbein blickt dem Rauchregime, das in Deutschland im neuen Jahr umgesetzt werden soll, mit Wehmut entgegen. Im Politikmagazin Cicero hat er ein leises Klagelied auf den Tabak angestimmt:

(..) Viele der größten Schriftsteller und Künstler waren Kettenraucher oder hingen an der Zigarre. Die enorme Produktion eines Hemingway ist anders kaum denkbar. Von Brecht aus ging eine ganze Tradition von Zigarrenrauchern bis hin zu Heiner Müller, der gern den Satz zitierte: Wer raucht, sieht kaltblütig aus. Eine gewisse Art des philosophischen Gesprächs, mit langen Denkpausen wie beim Schachspiel, der Körper zurückgelehnt, ist überhaupt nur mit einer Havanna möglich. Es passt ganz ins Bild der neuen Zeitökonomie und der Reglementierung des Freizeitlebens, wenn dieser Luxus der Langsamkeit jetzt ein Ende hat. Als ginge es um die Schließung von Opiumhöhlen, wird aus den Hotels und Nachtbars das Refugium der Afficionados verschwinden. Feinstäube, Autoabgase, die Dauerbeschallung in Fahrstühlen und Flugzeugen, Küchengerüche in Restaurants – alles das bleibt uns erhalten, nur der aromatische Duft einer Zigarre ist plötzlich verpönt.

Es ist Zeit, eine Elegie anzustimmen auf ein Symbol des alten Europa: die dicke Zigarre des sprichwörtlich dicken Kapitalisten. Wieder ist ein Genussmittel öffentlich auf den Index gesetzt, wieder geht ein Moment von Lebensqualität verloren. Aber vielleicht, sagt meine Frau, ist vor den Zigarren ja schon der Mensch verschwunden, der Zigarren noch zu genießen wusste, ein Wesen wie Thomas Mann etwa mit seiner legendären Maria Mancini, ein Zauberer des höheren Dunsts und der gesprächsweisen Ironie. Kinder, hört auf, von Salonkultur zu reden. Bleibt zu Hause und unterhaltet euch mit euren Fernsehgeräten. Es lohnt nicht mehr, in den tiefen Clubsesseln zu versinken. Der Traum von tausendundeiner Nacht der Geselligkeit ist vom ersten Januar 2008 an Asche.

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