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Loblied auf einen enteigneten Unternehmer



In der Schweiz gibt es sie schon länger, jetzt ist sie auch in Deutschland eingetroffen: Die ausgezeichnete Partagás Serie E No. 2. Habanos-Importeur 5th Avenue hat zur Lancierung eine Medienmitteilung veröffentlicht und rollt darin die bewegte Geschichte von Partagás auf. Bei der Lektüre komme ich ein bisschen ins Grübeln. Ist es eigentlich korrekt und anständig, dass sich Habanos auf die Erfolge und das Schaffen des Unternehmers Jaime Partagás beruft und dabei ein kleines aber wichtiges Detail ausspart, dass nämlich seine Nachfahren bzw. die späteren Besitzer von Partagás vom kubanischen Staat enteignet und aus dem Land gejagt wurden? Ich finde, über diese Frage darf man durchaus einmal nachdenken (ich nehme mich selber davon nicht aus). Dass das Erbe der Enteigneten später an den erzkapitalistischen Altadis-Konzern weiterverkauft wurde, ist dann die Ironie dieser Geschichte.

Simon Bolívar in 100 Sekunden

Die Wissenshäppchenrubrik «100 Sekunden Wissen» von DRS 2 beschäftigt sich heute mit Simon Bolívar, dem lateinamerikanischen Freiheitskämpfer und Namensgeber der Havanna-Marke Bolívar.


Für weitere Details zum Leben Bolívars sei zudem auf den Blog-Beitrag «Wer war Simon Bolívar» verwiesen.

Bewerbung um eine Aufnahme in das Montehiba-Tastingpanel

Der private Montehiba-Blog gehört zu den Perlen in der deutschsprachigen Zigarren-Blog-Landschaft. Die beiden Autoren befassen sich vornehmlich mit kostbaren Vintage-Zigarren, die Otto-Normal-Aficionado kaum je zu Gesicht bekommt. Twitter-Blind-Tasting-Mitorganisator Herrlaus hat mich jetzt auf einen aktuellen Beitrag im Montehiba-Blog hingewiesen: Von «der Zigarrenkapazität» aus Hong Kong wurde den Blog-Schreibern eine versiegelte Kiste einer kaum bekannten Pre-Embargo und Pre-Castro-Havanna zugeschickt. Gemeinsam mit der Community möchte der Blog jetzt möglichst viele Informationen zu dieser Rarität zusammentragen. Hellhörig machte mich und Tippgeber Herrlaus natürlich die Ankündigung, dass man darüber nachdenke, die kostbaren Havannas an ein internationales, virtuelles Tastingpanel zu verteilen, um die Zigarren möglichst profund und umfassend zu bewerten.

Unsere Bewerbung ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen; vorallem weise ich gerne auf die Aktion hin. Für das Tasting dürften Spezialisten wie Simon Chase prädestiniert sein. Ich selber könnte allenfalls die Perspektive des Vintage-Novizen einbringen. Aber bewerben kostet nichts, und sollte die Bewerbung Erfolg haben, so würden wir uns ohne Augenzwinkern überaus geehrt fühlen.

«Reflexionen bei einer Zigarre»

Hans Fischer vom Cigar-Wiki hat im NZZ-Online-Archiv den grossartigen Artikel «Reflexionen bei einer Zigarre» entdeckt. Es handelt sich um einen Aufsatz über die Zigarrenkultur im Zürich der 1940er Jahre. Das Erscheinungsdatum des Artikels war der 9.11.1941. Im folgenden Abschnitt erzählt der Autor, wie Adolf Dürr sein Geschäft an der Bahnhofstrasse gründete:

Versetzen Sie sich also in das Jahr 1876 zurück! Es ist Sommer und durch die engen Strassen der Kleinstadt Zürich spaziert ein 26jähriger Mann, der aus der Champagnerstadt Reims gekommen ist, um für ein Wollwarengeschäft Bestellungen aufzunehmen. Er stammt aus Grabs im Rheintal und bezieht ein Monatsgehalt von hundert Franken. Da er guter Laune ist, kauft er sich in der Strehlgasse ein Päckchen "Ormanod supérieur". Als er aber stillstehend einen Stumpen anzündet, zieht er nicht. Das bringt ihn auf den Gedanken, dass er selber ein besseres Kraut verkaufen könnte. Die Konkurrenz ist noch nicht gross und die Reimser Firma steht ohnehin auf wackligen Füssen. Also mit regsamem Optimismus zum Zigarrenhändler umgesattelt! Kurze Zeit darauf lesen die Zürcher an einem kleinen Laden der Bahnhofstrasse 66 den Namen Adolf Dürr. Sein Kapital ist mager und bald hört er seinen Nachbarn zu einem Kunden sagen, dass dieser Neuling wohl verlumpen werde, noch bevor das jahr um sei. Tatsächlich sieht es anfangs mit einem Tagesumsatz von zehn Franken bös aus. Aber das Glück setzt sich an die Seite des jungen, arbeitsamen Rheintalers. Als er in den Eckladen umzieht und die damals noch wenig bekannten, kräftigen Zigarren aus Ostindien einführt, wird der Kundenkreis grösser.
Interessant ist auch der Verweis auf die für damalige Verhältnisse horrenden Preise für Havanna-Zigarren:

Da sieht man auf hohen Regalen alles, was die Phantasie eines Rauchers entzücken kann, von den billigsten Sorten, die das Militär massenhaft verqualmt, bis zur Zigarette, die dreissig Rappen kostet und bis zur importierten Havanna, die mit sechs Franken das Stück bezahlt wird.

Der Fidibus

Letzte Woche haben wir im Sommerwettbewerb gefragt, was ein «Fidibus» sei. Eine schöne Würdigung dieses alten Rauchutensils ist vor einigen Jahren im NZZ Folio erschienen («Der Fidibus»):

In der Literatur des 19. Jahrhunderts ist der Fidibus für jede Raucherfreude unentbehrlich. In Buschs «Tobias Knopp» wird der Neffe ermahnt, dem Onkel zu bringen, «was er haben muss: Zeitung, Pfeife, Fidibus». Natürlich fertigte man den Fidibus aus Material, das nicht mehr gebraucht wurde oder das man nicht wertschätzte. So schreibt Georg Herwegh in seinem Gedicht «Frühling»: «O lass sie träumen noch eine Nacht! / Dann wetzen wir aus die Scharte, / dann werden Fidibusse gemacht / aus der europäischen Karte.» Und Eichendorff berichtet über einen Geburtstag Klopstocks, bei dem «die Fidibus» aus Wielands Schriften gemacht wurden.

«Bassum als kleines Havanna»

Der «Weser-Kurier» erzählt heute «die Geschichte eines Zigarrenmachers» («Bassum als kleines Havanna»). Auf die Frage, warum bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts Zigarren in Deutschland und auch bei uns in der Schweiz von Hand gefertigt wurden und man sich nicht auf die Importe aus den Herkunftsländern der Tabake verliess, gibt der Artikel folgende Antwort:

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Tabakarbeiter ein nicht aus der Gesellschaft wegzudenkendes Bestandteil. Der heutige interkontinentale Güterverkehr steckte noch in den Kinderschuhen, und importierte Güter waren einfach zu teuer für die Bevölkerung. Um die Nachfrage nach Zigarren zu befriedigen, bildete sich in Bassum eine regelrechte Tabakindustrie.

Wer sich für die Geschichte der Zigarrenherstellung in Deutschland interessiert, dem sei der Text «500 Jahre Zigarren» von August Schuster sehr empfohlen.

Der Niedergang von Dunhill

Am Donnerstag findet im La Corona in Uster die Schweizer «Dunhill Aged Cigars»-Premiere statt. Zur zugegebenermassen etwas verkaufsschädigenden Überschrift kommt dieser Event-Hinweis, weil eine kleine Recherche zu Dunhill die interessante Geschichte vom Niedergang einer einst grossen Marke zu Tage befördert hat. Der französische «L'Amateur de cigar» hat sie in der Ausgabe Januar-Februar 2011 aufgeschrieben («L'impossibilité Dunhill»).

Gründer Alfred Dunhill beschäftigte sich ursprünglich mit dem Verkauf von Automobil-Zubehör. Eine «windshield pipe», mit welcher man «mit der Nase im Wind» rauchen konnte, war sein erster Accessoire für den Genussraucher. Es folgten weitere Pfeifen, Zigarren und Zigaretten und schliesslich im Jahr 1928 die Eröffnung des Tabakgeschäfts an der Duke Street. Auch Havannas importierte Dunhill: Die Marken Les Don Candido, Flor de Punto und Don Alfredo wurden exklusiv für Dunhill gefertigt. Dunhill konnte wie Davidoff auch nach der kubanischen Revolution seine Eigenmarken weiter produzieren. 1977 einigte sich Dunhill mit Cubatabaco darauf, die verschiedenen Zigarren unter einem einzigen Markendach zu vereinen - «Dunhill». In den Achtzigerjahren belieferte Kuba Dunhill mit den besten Tabakqualitäten, was den Dunhill-Zigarren einen legendären Ruf einbrachte. Das «Ende der Regentschaft» von Alfred Dunhill wurde mit der Einführung von Cohiba eingeleitet. Fidel Castro wollte nicht, dass sein neues Flaggschiff im Schatten von ausländischen Marken stehen würde, und kündigte deshalb 1991 die Verträge mit Dunhill, genauso wie mit Davidoff.

Von hier an scheiden sich die Wege von Dunhill und Davidoff. Letztere waren auf dieses Szenario vorbereitet, hatten mit der Linie «Zino Classic» aus Honduras bereits Erfahrungen mit nicht-kubanischen Zigarren gesammelt und konnten ihre Produktion in der Dominikanischen Republik einigermassen nahtlos weiterführen. Dunhill agierte weniger glücklich. Zuerst vergab das Unternehmen gleichzeitig Lizenzen an zwei Tabacaleras aus Honduras und den Kanarischen Inseln. Die Zigarren fanden keine Gnade, und die Eigentümer mussten die Überreste acht Jahre später an British American Tobacco verkaufen. Für den Tabakkonzern dürfte der Namen Dunhill wohl vorallem wegen seines Potentials für den Zigarettenverkauf als interessant beurteilt worden sein. Die Zigarren erhielten in der Folge kaum Aufmerksamkeit, ihre Produktion wurde schliesslich an Carlos Toraño in Nicaragua übergeben, wo seit 2007 die Linie «Signed Range» gerollt wird (die von British American Tobacco in Europa nicht mehr selber distribuiert wurde). Den «Gnadenschuss» erhielt Dunhill durch die Anti-Tabak-Gesetze. 2005 stellte Dunhill die Produktion der Pfeifentabake ein.

Aber vielleicht hat «L'Amateur de cigar» die Grabrede für Dunhill doch zu früh gehalten. Anfang Jahr reaktivierte British American Tobacco die Produktion der Pfeifentabake, und jetzt bringt das Unternehmen die neue Zigarren-Linie «Dunhill Aged Cigars» auf den Markt. Es handelt sich um eine Art Remake der Ur-Linie von Dunhill aus der Dominikanischen Republik, die nach dem Fortzug aus Kuba gefertigt wurde. Name und Verpackungsgestaltung hat Dunhill 1:1 übernommen. Interessant ist auch, dass sich British American Tobacco wieder höchstpersönlich um das Dunhill-Projekt kümmmert.

Ausgerüstet mit diesem Wissen sollte man in der Lage sein, die «Dunhill Aged Cigars» richtig einzuordnen. Ich werde ihr auf jeden Fall mit Interesse begegnen. Man darf sie aber auch einfach nur rauchen, ohne sich allzu viele Gedanken zu machen. Erste und beste Gelegenheit: Am Donnerstag im La Corona in Uster.

Pre-revolutionärer Bolívar-Katalog

Passend zum Havanna-Fund aus dem 19. Jahrhundert von Simon Chase hat die Cubancigarwebsite heute einen historischen Katalog der Marke Bolívar aufgeschaltet. Obwohl dieser Katalog um 1960, also deutlich später publiziert wurde, sind darin ähnliche Kabinette zu sehen wie dasjenige, das Simon Chase im Video vorgestellt hat. Der Katalog ist vermutlich nach der kubanischen Revolution erschienen, zeigt aber noch das vorrevolutionäre Sortiment.

Havannas aus dem 19. Jahrhundert

Die britische Zigarrenkapazität Simon Chase hat in einem Nachlass gut erhaltene Havannas aus dem späten 19. Jahrhundert entdeckt und spricht darüber in einem Video auf Cigar Aficionado. Bei den Zigarren handelt es sich um ein 500er Cabinet von H. Upmann. Diese Form der Verpackung war damals üblich. Simon Chase datiert die Havannas auf etwa 1894. Kurz darauf brach in Kuba ein Unabhängigkeitskrieg aus, was bis 1898 zu Havanna-Engpässen führte und die gezeigten Zigarren besonders wertvoll macht.

«… we shall call them COHIBA»: Die Geschichte von Cohiba

 


«… we shall call them COHIBA» ist ein Buch über die Geschichte der legendären Havanna-Marke Cohiba, das ich zufällig entdeckt habe. Autor ist Adargelio Garrido de la Grana, ein Jurist mit Spezialgebiet Markenrecht und Kadermitarbeiter von Habanos SA. Das englische Buch bietet einzigartige Einblicke in die Geschichte der post-revolutionären Havanna-Zigarren und ist für Aficionados eine wahre Schatztruhe: Es erzählt die Entstehung der Cohiba-Zigarren und die Entwicklung des Markennamens nach, zeigt die verschiedenen Stadien des Markenauftritts und der Sortimentsentwicklung und liefert unzählige Zitate und Erklärungen von Direktbeteiligten.

Jeder Aficionado kennt die Geschichte mit Fidel Castros Bodyguard Chico und dessen Zigarren, die den Revolutionsführer zur Gründung von Cohiba inspirierten. Über diesen Chico, der eigentlich Bienvenido Pérez Salazar hiess, erfahren wir in «… we shall call them COHIBA», dass er selber in einer Familie aufwuchs, die eine Zigarren-Manufaktur besass. Im Familienbetrieb lernte Chico das Handwerk des Torcedors und arbeitete später in der Por Larrañaga-Manufaktur in Havanna. Hier lernte er auch einen gewissen Eduardo Rivera Irizzari kennen, der später ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Cohiba spielen sollte. Chico beliess es aber nicht beim Rollen von Zigarren; bald eröffnete er in Havanna ein erstes Zigarrengeschäft, später folgten weitere. Zudem gründete er die Zigarrenmarke «Faraon». Als die Revolution losbrach, kämpfte Chico an der Seite von Fidel Castro – sein unternehmerischer Erfolg hatte ihn nicht daran gehindert, sich vor der Revolution für die Rechte der Arbeiter einzusetzen. Chico wurde zum Chef-Bodyguard von Fidel Castro, und eines Tages kam es zur bekannten Episode, dass der Maximo Líder eine von Chicos Zigarren probierte und von diesen sehr angetan war. Der Roller dieser Zigarren war der eingangs erwähnte Eduardo, ein Freund von Chico, der für sich selber und Freunde eine spezielle, sehr schlanke Zigarre rollte, die wir heute als «Lancero» kennen. Eduardo erhielt daraufhin den Auftrag, sich ganz der Produktion dieser speziellen Zigarren zu widmen, und wurde, ohne es zu wissen, zum Hoflieferanten von Fidel Castro.

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