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«Die Zigarrenindustrie ist eine gemütliche Industrie gewesen»

Zum 100-jährigen Firmenjubiläum berichtet heute das Westfahlen Blatt über August Schuster. Ein Auszug aus Familienunternehmen mit 100-jähriger Tradition fühlt sich in Bünde wohl:

Philipp Schuster kann sich noch gut an alte Zeiten erinnern. »Die Zigarrenindustrie ist eine gemütliche Industrie gewesen«, sagt der heute 55-jährige Fabrikant rückblickend. »Es wurde damals noch alles von Hand gemacht und es waren eine Menge Leute beschäftigt, die oft zu Scherzen aufgelegt waren.«

Doch spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg gab's einen Strukturwandel. Maschinen verdrängten teilweise die Handarbeit, gleichzeitig begann das große Fa-brikensterben. Auch die Firma August Schuster kämpfte Ende der 1960er Jahre ums Überleben. Doch ab 1973 ging's wieder bergauf. Zuvor wagten die Schusters einen radikalen Schritt: weg vom Massenmarkt, hin zur Qualitätszigarre. Die ist zwar etwas teurer, aber die Kunden honorieren das.

TV Tipp: Zigarrenbarone aus Ostwestfalen

Morgen Freitag sendet das WDR-Fernsehen ab 20.15 Uhr ein Portrait über die Zigarrendynastie von Arnold André aus Bünde, wie die Neue Westälische Zeitung heute ankündigt:

Die Zeiten ändern sich, der Geschmack auch. Im 19. Jahrhundert waren Zigarren das Tabak-Produkt schlechthin. Seit 1933 sorgte ein Nichtraucher namens Adolf Hitler für eine handfeste Krise in der Zigarren-Produktion, dann die 68er-Generation. In Bünde aber gibt es ein Unternehmen, das alle Rückschläge gemeistert hat. Weil die Familie André außerdem bereits in der siebten Generation die Firma lenkt, kann man getrost von einer "Dynastie" sprechen. Und so widmet das WDR-Fernsehen den Andrés morgen, Freitag, ab 20.15 Uhr einen 45-Minuten-Beitrag.

Die Zigarre kommt ins Museum

Das Heimatmuseum von Frankenberg richtet eine «Zigarrenmacher-Schauwerkstatt» ein, wie die Sächsische Zeitung meldet:

Betreut wird die Werkstatt vom Heimatverein, in dem es noch echte gelernte Zigarrendreher gibt“, sagt Museums-Chefin Dana Brode (51). „Sie wollen so an die heimische Zigarrentradition erinnern.“ Denn was die Jüngeren kaum noch wissen: In der Garnisonsstadt Frankenberg gab es um 1920 insgesamt 28 Zigarrenfabriken und -manufakturen.

Da bleibt nur zu hoffen, dass den Zigarrenmachern aus der Karibik allen schlechten Nachrichten zum Trotz noch ein langes Leben ausserhalb von Musemumsmauern beschieden ist.

Vergiftet und mit Sprengstoff geladen

Nach der kubanischen Revolution und der gescheiterten Landung in der Schweinebucht befand sich Fidel Castro jahrelang im Visier der US-Geheimdienste und überlebte mindestens acht Mordanschläge. Auch vergiftete Havannas spielten bei der Planung der Operation Mongoose eine Rolle. Spiegel Online hat sich noch einmal mit den Geheimdienstaktivitäten dieser Zeit beschäftigt:

Doch damit nicht genug - die Pläne zur Ermordung des Máximo Líder trieben teilweise groteske Blüten. Weil Castro begeisterter Taucher war, wurde die tödliche Kontaminierung von Tauchanzügen erprobt. Experten bastelten an einer Prachtmuschel, die bunt genug war, um die Aufmerksamkeit des Máximo Líder zu erregen, und groß genug, um eine gehörige Sprengladung darin unterzubringen. Kein Wunder, dass in so einer Atmosphäre auch erwogen wurde, Castro, der gern dicke Havannas genoss, mittels einer explodierenden Zigarre umzubringen. Eine Idee, die von den CIA-Technikern begeistert aufgenommen und sofort ausgetestet wurde.

Zigarren der Belle Époque

Zigarreninserat von 1881 

Auf einer Antiquitäten-Messe hat Andi Stachl diesen Stich von 1881 entdeckt. Interessant sind die abgebildeten Formate. Es sind fast ausschliesslich am Kopf- und Brandende spitz zulaufende Doppelfigurados, die als typisch für die Belle Époque gelten.

«Zigarrenspitzenverein will helfen»

Just vor 100 Jahren durfte sich das katholische Pfarramt im deutschen Sigmaringen über eine «schöne Summe von 15 Mark» freuen, gespendet zugunsten der Erstkommunikanten vom örtlichen Zigarrenspitzenverein. Mehr über Zweck und Aktivitäten dieses karitativen Vereins liest man heute in der Schwäbischen Zeitung, welche die Meldung «Zigarrenspitzenverein will helfen» im Archiv entdeckt und heute noch einmal veröffentlicht hat.

TV-Tipp: Eine letzte Zigarette - Aufstieg und Fall des blauen Dunstes

Morgen zeigt das Schweizer Fernsehen den DOK-Film «Eine letzte Zigarette - Aufstieg und Fall des blauen Dunstes»:

Schweizer Fernsehmoderatoren, die mit der Zigarette in der Hand die Lage in Vietnam erläutern, Swissair-Piloten, die sich nach dem Start mit einer Zigarette belohnen, rauchende Nationalräte, die so hitzig diskutieren, dass der Kronleuchter im Dunst verschwindet. – DOK-Autor Fritz Muri zeigt Bilder, die heute ungläubiges Kopfschütteln auslösen und dokumentiert den Aufstieg und Fall des blauen Dunstes.

Nun hat der Genuss von Zigarren ja bekanntlich nicht viel gemein mit dem Rauchen von Zigaretten. Die Folgen der sich zuspitzenden Zigaretten-Ächtung treffen aber auch die Zigarre, weshalb der Film auch für Geniesser von Interesse sein dürfte. Und schliesslich wird laut Vorschau auch dem Tabakgenuss ein wenig Platz eingeräumt:

DOK zeigt wie in Büros, Fernsehstudios, Spitälern und Polizeistationen die Raucher immer mehr an den Rand gedrängt werden, aber auch wie eine Handvoll Genussraucher auf ein Zürichsee-Schiff flüchtet, um ungestört ihrem Laster zu frönen.

100 Jahre August Schuster

Das Unternehmen August Schuster, hierzulande vorallem durch die Eigenmarken Casa de Torres und Maria Mancini bekannt, feiert dieses Jahr das 100 jährige Firmenjubiläum. Nach wie vor produziert das Unternehmen im deutschen Bünde Zigarren, und gehört damit zu einem der letzten Vertreter eines in Deutschland und der Schweiz einst florierenden Wirtschaftszweigs. Smokers Club hat August Schuster und die Geschäftsführer Philipp und Manfred Schuster zum Jubiläum portraitiert (Artikel im PDF-Format: Seite 1, Seite 2).

Der schnelle Aufstieg der europäischen Zigarrenindustrie Anfang des 20. Jahrhunderts und der später langsam einsetzenden Niedergang wirft die Frage auf, ob die Idee, Zigarren in Europa zu fertigen, grundsätzlich falsch war. Die Produktionskosten für von Hand gefertigte Zigarren sind hoch. Aber warum haben keine Premium-Anbieter in Europa überlebt, wie es zum Beispiel in der Textilbranche passiert ist? Ob falsch oder richtig, die Zigarrenbranche war einst ein bedeutender Wirtschaftszweig. Schön, dass einige Traditionsfirmen die europäische Zigarren-Kultur bis heute weiter pflegen.

Tabak im Orient

Am 4. Oktober öffnet im Rathaus des voralbergischen Frastanz eine Sonderausstellung zum Thema «Tabak und Orient». An der Ausstellung sollen laut Mitteilung des Veranstalters 75 orientalische Tabakutensilien aus dem Depot von Schloss Schönbrunn gezeigt werden, darunter Bilder, Pfeifen, Zigarrenspitzen und Schnupftabakdosen mit orientalischen Motiven.

Osmane mit Tschibuk

Osmane mit Tschibuk (Schloss Schönbrunn)

Motiviert wurde die Ausstellung durch die Bedeutung und wechselhafte Geschichte des Tabaks im Orient:

Tabakkonsum wird seit einigen Jahrhunderten mit Exotik und Orient in Verbindung gebracht. Die Assoziation kommt nicht von ungefähr. Das Rauchen wurde in kaum einem anderen Land so schnell angenommen wie im Osmanischen Reich. Die rasche Verbreitung des Tabaks erstaunt insofern, als sein Konsum anfangs drakonische Strafen nach sich zog. Ertappten Rauchern wurde ein Loch quer durch die Nase gebohrt, durch das man das Pfeifenrohr steckte. Unter Sultan Murad IV stand auf das Rauchen die Todesstrafe. All diesen Strafen zum Trotz wurde die Pfeife zusammen mit Kaffee Symbol türkischer Gastfreundschaft.

Pianist mit Tabakplantage

Der Name Arthur Rubinstein dürfte jedem Klassik-Freund ein Begriff sein. Bekannt ist auch, dass Arthur Rubinstein ein Havanna-Liebhaber war. Ein Zitat, das ihm zugeschrieben wird: «Zigarren sind so köstlich wie das Leben. Das Leben bewahrt man sich nicht auf. Man geniesst es in vollen Zügen.»

Was ich zufällig gelesen habe: Arthur Rubinstein besass auf Kuba sogar eine eigene Tabakplantage. Cigar Clan schrieb im Artikel Zino Davidoff. Von der Legende zum Mythos dazu:

Wie schon angedeutet, unterhielten [Zino Davidoff und Arthur Rubinstein] sich gerne über Kuba, hatte doch der Pianist dort eine kleine Tabakplantage besessen, die ihm »seine« Havannas lieferte. Viele dieser Cigarren hat er, versehen mit einer Bauchbinde, die sein Konterfei trug, an Freunde verschenkt.

Nach der Machtübernahme Castros war diese Plantage – wie nahezu alle anderen Fincas auch – in den Besitz des kubanischen Staates übergegangen, und so blieb dem gebürtigen Polen nichts anderes übrig, als seine Cigarren fortan käuflich zu erwerben. Und das tat er bevorzugt in Genf, bei Zino Davidoff.

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